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Welche Art von Saal braucht die Kultur? Es wird fleißig debattiert.
Welche Art von Saal braucht die Kultur? Es wird fleißig debattiert. © PZ-Archiv
08.06.2011

Knackpunkte in der Mühlehof-Debatte im Überblick

MÜHLACKER. Wie auch immer die Entscheidung über die Zukunft des Mühlehofs ausfällt – sie wird für die Stadt Mühlacker finanziell schmerzhaft sein. Das ist derzeit das, was man eindeutig sagen kann. Ansonsten hat die leidenschaftliche Gemeinderatsdebatte am Dienstag gezeigt, wie viele spannende Fragen noch offen sind. Wir haben einige davon für einen Überblick zusammengestellt.

Umfrage

Was soll mit dem Mühlehof passieren?

Abriss 58%
Sofortige Sanierung 20%
Auf dem heutigen Stand noch ein paar Jahre erhalten 22%
Stimmen gesamt 187

Ist die Zeit reif zum Handeln? Über dieser Frage teilt sich der Gemeinderat in zwei Lager. Oberbürgermeister Frank Schneider sieht die Jahre bis zur kleinen Gartenschau als das Zeitfenster, in dem eine neue Mitte für Mühlacker gestaltet werden könnte. Die Bürger, ist er überzeugt, würden ungeduldig auf ein Handeln in Sachen Mühlehof warten. Lange habe die Stadt gar nicht die Möglichkeit dazu gehabt, weil ihr der Gebäudekomplex nicht gehörte. Das sei nun anders, aber das heiße auch, es brauche nun den Mut zur Entscheidung. Den Handlungsbedarf strich auch Günter Bächle für die CDU heraus. Und Jens Hanf von der FDP mahnte, nicht zu viel Geld in einen Bau mit ungewisser Zukunft zu stecken. Demgegenüber wollen Räte wie Rolf Leo (Freie Wähler) und Thomas Knapp (SPD) den Mühlehof erst noch ein paar Jahre ohne große Sanierung erhalten. Einmal um langfristig geplante Kulturveranstaltungen zu sichern. Zum anderen pochte Knapp darauf, die Zeit für ein Gesamtkonzept für die Innenstadt zu nutzen. Einigen können sich beide Seiten auf die Mahnung, wie sie Roland Peter (SPD) formulierte: Nämlich keine „Hau-Ruck-Entscheidung“ zu erzwingen.

Bei einem Abriss – was entsteht dann am Kelterplatz? Für viele ist das der Knackpunkt. Dass eine neue reine Kulturhalle an Stelle des Mühlehofs entstehen könnte, davon raten die Gutachter von Drees und Sommer ab. Daraus werde sich keine Belebung für das Zentrum ergeben. Ihre Empfehlung geht in Richtung Vermarktung des Grundstücks für Einzelhandel. Im Gespräch, das deuteten die Räte an, war schon ein Elektrogroßmarkt in diesem Bereich, von dem Skeptiker wie Thomas Knapp aber auch negative Auswirkungen auf bestehende Geschäfte befürchten. Und Gewissheit, dass auch ein solcher Investor den Standort einmal wieder aufgeben werde, gebe es ohnehin nicht. Für Schneider ist die Frage der Vermarktung des zentralen Standorts aber auch wichtig für die Finanzierung der riesigen Ausgaben. Mit einem Gutachten zu möglichen Sortimenten für Mühlacker habe man schon Vorarbeit geleistet, so Schneider.

Welche Art von Saal braucht die Kultur? Im Mittelpunkt steht dabei die Wertschätzung des Gottlob-Frick-Saals im Mühlehof. Nicht nur die Stadträte, die für den Saal kämpfen, loben die Vorzüge. Er erhält auch von Mühlehof-Skeptikern gute Noten. Und vom Gutachten ebenfalls. Allerdings: Von den knapp 30 Millionen Euro für die Gesamtsanierung sind alleine rund fünf Millionen für den Kulturbereich angesetzt.

Wie würde ein Ersatz ohne den Mühlehof aussehen? Da hegen Leo und Knapp die Befürchtung, eher einen schlechten Ersatz zu erhalten. Aussagen der Gutachter über künftig mehr Flexibilität in einer neuen Halle für rund 7,2 Millionen Euro hatten Sorgen geweckt, es werde eher an eine Kongress- und Tagungshalle gedacht. Eine Besichtigungsfahrt der Räte nach Weissach ließ Knapp befürchten, es würden Äpfel mit Birnen verglichen. Schneider stellte klar, dass auch eine neue Halle zunächst der Kultur dienen solle. Von jeder möglichen Lösung müsse ohnehin ein Impuls auch für die Kultur ausgehen.

Was erhält die Stadt für ihr Geld? Diese Frage stellte Jens Hanf (FDP). Wünschen würde er sich eine Belebung und eine höhere Attraktivität für die Kernstadt. Dass ein schlichter Erhalt des Mühlehofs das nicht leiste, darüber sind sich die Räte einig. Auch der Erhalt kostet übrigens laut Gutachten viel Geld. Jährlich rund 100 000 Euro – zusätzlich zu den hohen Betriebskosten. Mühlehof-Befürworter erhoffen sich mit der Stadt als Vermieter mehr Chancen auf Einnahmen. Andere fragen sich, wer überhaupt Interesse haben könnte, sich dort einzumieten. Ulrike Fuchs (LMU) rät dazu, auch kleinere Ersatzhallenpläne zu prüfen. Fraktionskollege Klemens Köberle sagte: „Wir haben heute einen fraglos schönen Kul- tursaal, aber es stellt sich schon die Frage, ob wir damit nicht über unsere Verhältnisse gelebt haben.“