nach oben
Weiße Dörfer: Die Knittlinger Partnergemeinden Montajaque (rechts) und Benaojan (mitte, im Hintergrund) sind eingebettet in die Felslandschaft der Sierrania de Ronda.
18.08.2010

Knittlingen: Partnerschaft mit andalusischen Gemeinden

KNITTLINGEN/MONTEJAQUE. Zwei Monate nach der Unterzeichnung der Urkunden mit Benaojan und Montejaque beim Knittlinger Fauststadtfestes ist die Partnerschaft jetzt auch in Spanien offiziell besiegelt worden. Eine Knittlinger Delegation mit Bürgermeister Heinz-Peter Hopp und der Vorsitzenden des Knittlinger Partnerschaftsvereins, Waltraut Ertner, an der Spitze reiste über 2500 Kilometer in den Süden der Iberischen Halbinsel nach Montejaque.

Bildergalerie: Knittlingen besiegelt Partnerschaft in Spanien

Das dort gerade gefeierte Fest zu Ehren der Schutzheiligen Virgen de la Concepciòn (Jungfrau Maria) war der würdige Rahmen für die Unterzeichnung der Urkunden. Nach der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunden in Knittlingen (die PZ berichtete) fanden erneute Urkundenunterzeichnung und Partnerschaftsfeiervor zahlreichen deutschen und spanischen Besuchern im Jugendzentrum von Montejaque statt.

Die meisten der bereits seit dem Jahre 1960 in Knittlingen ansässigen und zum Teil schon in der dritten Generation in der Region lebenden ehemaligen spanischen Gastarbeiter stammen aus den andalusischen Bergdörfern Benaojan und Montejaque. Die früheren Arabersiedlungen sind nicht zuletzt dank des Fleißes ihrer „Emigranten“ in den zurückliegenden Jahren zu einem sichtbaren Wohlstand gekommen. So säumen schmucke, im maurischen Stil erbaute und weiß getünchte Häuser die malerischen Gässchen und gut ausgebauten Straßen. Umgeben von felsigem Bergland mit den typischen Pinienhainen, Oleander- und Bougainvillea-Sträuchern sowie üppig behangenen Feigenkakteen leben die Menschen, darunter auch die zwischenzeitlich zurückgekehrten Ex-Knittlinger, dennoch überaus bescheiden in einem recht kargen Land. Während im rund 1100 Seelen großen Montejaque Landwirtschaft und Viehzucht betrieben wird, verfügt Benaojan mit seinen etwas über 1700 Einwohnern auch über einige Gewerbebetriebe, wobei vor allem die selbst gezogenen schwarzen Schweine verarbeitet und in der gesamten Region Andalusien verkauft werden. Größter Arbeitgeber mit rund 50 Bediensteten ist mit José Castano Medina ebenfalls ein ehemaliger Knittlinger, der in seiner Fleischfabrik wöchentlich rund 900 Schweine und 200 Schafe verarbeitet.

 

Den Hauch der großen weiten Welt verspüren die beiden Kommunen tagtäglich durch die südlich von Benaojan gelegene Station der Eisenbahn-Hauptstrecke, die von Paris über Madrid nach Algeciras führt. Diese Haltestelle förderte in den vergangenen Jahren kräftig zunehmenden Tourismus, wobei Anziehungspunkte vornehmlich die „Cueva de la Pileta“, eine Kalkhöhle mit prähistorischen, bis zu 30 000 Jahre alten Wandmalereien sowie die „Cueva del Gato“, die Katzenhöhle, sind. Beide liegen innerhalb des Naturparkes von Grazalema, der bereits 1977 von der UNESCO zum „biosphärischen Reservat“ ernannt wurde und wo hoch über den Gipfeln der bis zu 2000 Meter hohen Kalkfelsen auch Adler und Geier ihre Kreise ziehen. Die zumeist steil in die Höhe ragenden Felsen werden mehr und mehr von Sportkletterern entdeckt. Der Fremdenverkehr konnte in beiden Gemeinden in den letzten Jahren durch etliche neu entstandene komfortable Hotels und Ferienwohnungen denn auch mächtig angekurbelt werden. Neben der idyllischen Ruhe und Abgeschiedenheit schätzen die Gäste (außer den Deutschen sind dies vor allem Engländer und auch Holländer) die relativ kurzen und auch gut ausgebauten Wege zu den verschiedensten Touristikzentren. So liegt das malerische Städtchen Ronda mit der ältesten Stierkampfarena Spaniens nur runde fünf Kilometer entfernt, während die andalusische Hauptstadt Sevilla oder die Sherry-Metropole Jerez mit dem Auto bequem in ein bis zwei Stunden erreicht werden können.Eine ganz besondere Freude war es für die Knittlinger, beim Gang durch die beiden Orte oder aber bei den abendlichen Fiesta-Besuchen immer wieder alte Bekannte begrüßen zu können, darunter auch einige der ersten, im Jahre 1960 in die Fauststadt gekommenen spanischen Gastarbeiter, die bereits vor vielen Jahren wieder in ihre alte Heimat zurückgekehrt sind.