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Hat so einiges auf seinem Wunschzettel stehen, von dem allerdings auch schon das eine oder andere angegangen wurde: Thomas Rathgeb, neuer Rektor der Faustschule in Knittlingen. Foto. Schrader
Hat so einiges auf seinem Wunschzettel stehen, von dem allerdings auch schon das eine oder andere angegangen wurde: Thomas Rathgeb, neuer Rektor der Faustschule in Knittlingen. Foto. Schrader
12.12.2016

Knittlinger Schulleiter Thomas Rathgeb: „Lehrerberuf kann sehr belastend sein“

Seit diesem Schuljahr ist Thomas Rathgeb der Neue an der Spitze der Dr.-Johannes-Faust-Schule in Knittlingen. Heidi Bopp hatte die Zügel bereits im Oktober 2015 aus der Hand gegeben. Dann suchte man lange Zeit nach einem Nachfolger – ein ganzes Jahr lenkten die zwei Konrektoren Kirsten Knoll und Martin Stutz die Geschicke der Schule. Mit Rathgeb sprach PZ-Redakteurin Miriam Schrader.

PZ: Herr Rathgeb, was haben Sie vorgefunden, als Sie in Knittlingen anfingen? Man hörte von Beschwerden, hinter vorgehaltener Hand sprachen einige sogar von chaotischen Verhältnissen.

Thomas Rathgeb: Also Chaos habe ich nicht vorgefunden. Im Gegenteil: Herr Stutz, der seit dem Frühsommer dann auch alleine war, hat mich seit September in die Kultur dieser Schule eingearbeitet und konnte alles einwandfrei übergeben. Für die Lehrerschaft war es verständlicherweise schwierig, zeitweise nur einen Ansprechpartner zu haben.

PZ: Was sind die Vorzüge der Faustschule?

Thomas Rathgeb: Wir bieten mit unseren Schularten fast alles, was eine Sekundarstufe bieten kann. Unsere Klassen sind klein, vor allem in der Werkrealschule, was eine optimale Betreuung ermöglicht. Sprachgewandten Schülern bieten wir einen bilingualen Zug im Leitfach Englisch. Und nicht zu vergessen die offene Ganztagsgrundschule, die verbunden mit der Kernzeitbetreuung eine gute Abdeckung bietet.

PZ: Wird der Ganztagsbetrieb gut angenommen?

Thomas Rathgeb: Zu Beginn sehr gut, nun sind die Zahlen rückläufig. Der Gebäudeteil, in dem die Ganztagsbetreuung stattfindet, wird derzeit saniert. Ich gehe davon aus, dass die Baumaßnahmen Ende 2017 abgeschlossen sind. Dann haben wir die nötigen Ruheräume und der Ganztagsbetrieb kann etwas entzerrt werden. Ich hoffe, dass die Zahlen danach wieder steigen.

PZ: Was ist außerdem verbesserungswürdig?

Thomas Rathgeb: Wie die Sanierung sind das vor allem Dinge, die bereits angelaufen sind. Zum Beispiel kümmern wir uns um die Digitalisierung der Klassenräume. Die Ausstattung mit Beamern und Notebooks wächst sukzessive. Bleistift und Papier werden und sollten damit jedoch nicht ersetzt werden.

PZ: Herr Rathgeb, Sie sind ja nun nicht nur Schulleiter, sondern auch Lehrer. Welchen Herausforderungen müssen Sie und Ihre Kollegen sich heute stellen?

Thomas Rathgeb: Der Lehrerberuf hat sich stark gewandelt. Mittlerweile wird sehr viel mehr erzieherische Arbeit in der Schule geleistet. Die Probleme fangen damit an, dass manche Kinder ohne Frühstück in den Unterricht kommen und dadurch unkonzentriert sind. Ein Lehrervortrag wie vor 30 Jahren ist heutzutage gar nicht mehr möglich. Die Ausdauer der Schüler in Sachen Aufmerksamkeit ist gesunken und bedingt dadurch eine andere Gestaltung von Unterricht.

PZ: Woran liegt das?

Thomas Rathgeb: Das ist ein vielschichtiges Problem. Ein Stück weit liegt diese Entwicklung sicher an einem schnellen Wandel unserer Gesellschaft. Filme bestehen nur noch aus kurzen Sequenzen, wenn etwas nicht gefällt, wird schnell weitergeklickt. Ein weiteres Beispiel ist leider das Phänomen zurückgehender motorischer Fähigkeiten von Kindern: Im Sportunterricht fällt es Kindern schwer, sich in einer Reihe aufzustellen oder auf einem Bein zu hüpfen – das gelingt manchen Grundschülern noch nicht.

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