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Anwohner klagen, dass es in den vergangenen Jahren in Enzbergs Ortskern immer wieder zu Ruhestörungen und Belästigungen gekommen ist.  Foto: PZ-Archiv 

Krach hallt im Gemeinderat nach: Hitzige Debatte zur Situation in Enzberg

Mühlacker-Enzberg. Die Sozialarbeit trägt erste Früchte im Ort, doch eine anhaltende Presseschelte seitens Vertreter des Verbands der Sinti und Roma veranlasst Stadtrat Günter Bächle dazu, die Sitzung des Verwaltungsausschusses am Dienstagabend aus Protest zu verlassen. Kritik hagelt es anschließend auch von anderer Seite.

Nach einer Weile wurde es Günter Bächle schlichtweg zu bunt. Der stetig wiederkehrende Hinweis, die Situation in Enzberg hinsichtlich der Zustände im Ortskern sei über Monate hinweg in der Presse falsch dargestellt worden, veranlasste den CDU-Fraktionssprecher und früheren Zeitungsredakteur zu dem Zwischenruf, er könne diese Anschuldigungen nicht länger unkommentiert lassen. Die Berichterstattung über die Roma in Enzberg habe stets wiedergegeben, was zahlreiche Anwohner schilderten und was durch Vor-Ort-Besuche der Fraktionen habe bestätigt werden können. Doch Bächle durfte nicht ausreden, Jovica Arvanitelli, Vertreter des Verbands deutscher Sinti und Roma, der gemeinsam mit seiner Kollegin Christine Bast im Gemeinderat über die Situation berichten sollte, bügelte Bächle ab. Nun spreche er, so Arvanitelli. Bächle könne hinterher Fragen stellen.

Da reichte es dem langgedienten Stadtrat. Er stand auf, betonte, er lasse sich diese Angriffe nicht bieten – und verließ den Saal. Oberbürgermeister Frank Schneider versuchte noch kurz zu schlichten, doch Bächles Entschluss war gefasst.

Man muss ein Zeichen setzen in solchen Situationen, betont Bächle am Tag danach und sagt, er hätte sich insbesondere auch vom OB ein härteres Einschreiten gegen die unzutreffenden Vorwürfe gewünscht. „Presseschelte quasi als indirekte Anwohnerschelte – und dafür geben wir Steuergelder aus“, so Bächle mit Blick auf das Integrationsprojekt, das seitens des Verbands deutscher Sinti und Roma betreut wird.

In der Sitzung am Vorabend hatte Arvanitelli mehrfach betont, Sachverhalte seien in Presseberichten „aufgebauscht“ worden. Seit einem Jahr sind die Vertreter des Verbands deutscher Sinti und Roma regelmäßig in Enzberg tätig und haben in dieser Zeit den Kontakt zu etlichen Familien aufgebaut, wie die Mitarbeiter Jovica Arvanitelli und Christine Bast den Mitgliedern des Gemeinderats erläuterten. „Wir ziehen eine positive Bilanz, man sieht Erfolge“, sagten Arvanitelli und Bast. So habe man den Familien beispielsweise erklärt, wie wichtig die Sprachförderung sowie für Kinder der Besuch des Unterrichts sei.

Dennoch: Der PZ liegen zahlreiche Schreiben von Anwohnern vor, die über Monate hinweg in der Redaktion eingegangen sind. Hinzu kommen unzählige Anrufe von Lesern und Anwohnern, die sich über die Zustände im Enzberger Ortskern beklagten. Einige Bürger sind inzwischen weggezogen, da sie, wie sie erläuterten, die ständigen Belästigungen nicht mehr ertragen wollten.

Dass es derzeit eine Verbesserung der Situation gebe, sei wohl auch der Witterung zuzuschreiben, erklärte Rolf Leo (Freie Wähler), der ebenfalls betonte, dass die Angriffe hinsichtlich der Berichterstattung in den Medien hochgradig deplaziert gewesen seien. Im Winter habe es in den vergangenen Jahren stets weniger Beschwerden gegeben. Wie sich die Situation tatsächlich darstelle, müsse im Frühjahr und Sommer bewertet werden.

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