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An der Orgel begeistert Thorsten Hülsemann in Maulbronn mit französischen Stücken sein Publikum.  Foto: Nico Roller 

Kraftvolle Nuancen an der Orgel im Maulbronner Kloster

Maulbronn. Mal sehnsuchtsvoll-melancholisch, mal beschwingt-heiter, mal kraftvoll und wuchtig, mal ganz zart und leise dringt der Orgelklang durch die Maulbronner Klosterkirche. Ein kontrast- und farbenreiches Programm bekommt das Publikum beim jüngsten Konzert von Thorsten Hülsemann zu hören.

Ein Programm voller Abwechslung, das der Organist sorgsam selbst zusammengestellt hat: Ausschließlich Stücke französischer Orgelkomponisten stehen darauf. Denn das Konzert ist Teil des Themenjahrs „Ziemlich gute Freunde“ der Stiftung „Staatliche Schlösser und Gärten“, das die gemeinsame Vergangenheit Frankreichs und des deutschen Südwestens in den Mittelpunkt stellt.

Orgel mit 3500 Pfeifen

„Ich spiele sonst seltenst ein Konzert ohne Bach“, sagt Hülsemann und lacht. Seit Oktober vorigen Jahres ist der studierte Musiker bereits Bezirkskantor für das Dekanat Mühlacker, Organist und Kantor an der Maulbronner Klosterkirche. Ein Beruf, der ihm viel Spaß macht. Auf der Maulbronner Grenzing-Orgel mit ihren rund 3500 Pfeifen spielt er gerne. Das Instrument habe eine unglaubliche Klangfülle – „vom Pianissimo bis zum großen Forte“. Während Hülsemann für die Konzertbesucher unsichtbar auf einer Empore im hinteren Teil der Kirche an der Orgel sitzt, werden die Bewegungen seiner Finger auf eine Leinwand übertragen, die vorne im Altarraum aufgebaut ist.

Das Publikum sieht jede noch so kleine Bewegung, jeden Tastenanschlag, jedes Ziehen an den Registerknöpfen und jedes kurze Innehalten. Aber: Wenn es will, kann es auch die Augen schließen und sich ganz auf die klangliche Fülle der dargebotenen Stücke konzentrieren.

Aus den Federn von Nicolas de Grigny, Henri Mulet und César Franck hat Hülsemann Kompositionen im Gepäck. Francks „Pièce heroique“ klingt nach Fanfaren und Pauken, vielgestaltig und farbenreich sind libanesische Volksmelodien in Naji Hakims „Ouverture Libanaise“ verarbeitet.

Hülsemann spielt das träumerisch anmutende, melodiöse „In paradisum“ und das feierliche „Toccata“ von Théodore Dubois, die variantenreichen „Cathédrales“ und das meditative „Carillon de Westminster“ Louis Viernes.

Begeisterte Zuhörer

Als das Konzert nach mehr als einer Stunde endet, spenden die begeisterten Zuhörer minutenlang tosenden Applaus und verlangen eine Zugabe.

Einige von ihnen steigen im Anschluss noch die Stufen der Wendeltreppe zur Orgel hinauf, um an einer kurzen Führung teilzunehmen.