nach oben
Der Faustturm am Kloster Maulbronn – eines von vielen Kulturdenkmalen im Enzkreis. Foto: Hausner
Der Faustturm am Kloster Maulbronn – eines von vielen Kulturdenkmalen im Enzkreis. Foto: Hausner
31.03.2017

Landratsamt des Enzkreises arbeitet an „Denkmal-Topographie

Enzkreis. Es ist ein ehrgeiziges Projekt, an dem das Landratsamt des Enzkreises seit einigen Monaten arbeitet: Auf rund 800 Seiten sollen die mehr als 2 700 Kulturdenkmale im Kreisgebiet aufgeführt, beschrieben und gewürdigt werden. Erscheinen soll das Werk, das vom Landesamt für Denkmalpflege und dem Kreisarchiv gemeinsam erstellt wird, im Jahr 2020.

Der Enzkreis verfügt mit Anteilen an ehemals badischen, württembergischen, klösterlichen und reichsritterschaftlichen Gebieten über eine vielgestaltige Denkmal-Landschaft. „Engagement für dieses Kulturerbe hat bei uns Tradition“, betont Landrat Karl Röckinger. In den vergangenen Jahrzehnten habe man sich für die Erschließung und Dokumentation dieses Erbes eingesetzt. Als Beispiele nennt er den 1991 gemeinsam mit der Stadt Pforzheim erstellten Führer „Kunst- und Kulturdenkmale in Pforzheim und im Enzkreis“, von dem auch eine Neuauflage inzwischen wieder vergriffenen ist, das Projekt „Kleindenkmale“ oder die Jahrbuchreihe „Historisches und Aktuelles“.

Bundesweites Projekt

Mit der „Denkmal-Topographie“ schließt sich der Enzkreis nun einem bundesweiten Dokumentationsprojekt an, das einen Überblick über die Denkmallandschaft in Deutschland liefern soll. Das Nachschlagewerk dient in erster Linie zur Information der Bevölkerung, aber auch als Planungshilfe und Grundlage für die Denkmalbewertung. Für Baden-Württemberg sind bisher acht teils zweibändige Werke erschienen, die sich überwiegend auf Städte beziehe, darunter 2006 für die Stadt Pforzheim und ihre Stadtteile. Der Denkmalbestand eines gesamten Landkreises wurde bislang nur im Kreis Rottweil erfasst.

In den Jahren 2002 bis 2009 haben im Enzkreis 60 Heimat- und Geschichtsfreunde ehrenamtlich über 5 000 Kleindenkmale inventarisiert und fotografisch dokumentiert. „Das Projekt bekam dann eine gewisse Eigendynamik“, erinnert sich Kreisarchivar Konstantin Huber: „Durch dieses bürgerschaftliche Engagement gelang es, die Kleindenkmale unseres Landkreises zu erfassen – aber den geschichtsinteressierten Bürgern reichte das nicht aus. Sie forderten uns auf, das Ergebnis auch zu publizieren.“ So entstand 2013 das Buch „Kleindenkmale im Enzkreis. Verborgene Schätze entdecken“, das laut Huber guten Absatz findet. Ein Kalender mit Grenzsteinen folgte 2015.

Für die „Topographie“ werden nun die gut 400 archäologischen sowie 2 300 Bau- und Kunstdenkmale – nach Gemeinden gegliedert – mit einem kurzen Text und einem Foto vorgestellt und in ihren zeitlichen und räumlichen Zusammenhang gestellt. Historische und aktuelle Karten sowie Luftbilder runden das Werk ab. Die Darstellungen reichen von der Vorgeschichte bis in die jüngste Vergangenheit, von markanten Burgen über kunsthistorisch bedeutende Kirchen, Kleindenkmale wie Brunnen, Gefallenendenkmale oder Wegkreuze bis hin zu Industriebauten.

Außer in der landesweiten Schriftenreihe soll das Buch zugleich als Band 14 der wissenschaftlichen Schriftenreihe des Kreisarchivs erscheinen. Derzeit sind Mitarbeiter der Denkmalbehörden im gesamten Kreis unterwegs, um die einzelnen Kulturdenkmale zu fotografieren. „In Einzelfällen werden sie um Zutritt zu einem Gebäude bitten, um die erhaltenswerte Innenausstattung besichtigen zu können“, sagt Kreisarchivar Huber und bittet darum, die Fachleute bei ihrer Arbeit zu unterstützen.