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Der Vorsitzende Richter der Schwurgerichtskammer, Norbert Winkelmann (Foto Mitte), hat einen 36 Jahre alten Türken aus Mühlacker (Foto rechts) zu einer lebenslangen Haftstrafe wegen Mordes verurteilt.
Mord-Urteil © Kohler
20.10.2010

Lebenslange Haftstrafe wegen Mordes

HEILBRONN/MÜHLACKER. Das Landgericht hat einen 36-Jährigen aus Mühlacker zu einer lebenslangen Haft wegen Mordes und Diebstahl verurteilt. Der Mann hatte vor acht Monaten in Vaihingen-Kleinglattbach den Betriebsleiter seiner Firma umgebracht.

Das 54 Jahre alte Opfer aus Löchgau hatte den Türken aus Mühlacker beim Aufbrechen des Kaffeeautomaten ertappt. Der schlug darauf, dem Vorsitzenden Richter Norbert Winkelmann zufolge, 20 Mal zu. Jeder zweite Schlag traf den Kopf des Opfers, die übrigen die Arme. In seiner Urteilsbegründung sprach der Richter von einem "äußerst brutalen, massiven Gewaltausbruch".

Dass der Angeklagte sein Opfer töten wollte, habe er bei der Polizei selbst eingeräumt. Im Übrigen sprächen Anzahl, Schlagrichtung und die Wucht der Schläge eine deutliche Sprache. Auch wenn der Senderstädter sein Handeln inzwischen bereue, lasse das Gesetz nichts anderes als eine lebenslange Freiheitsstrafe zu.

Obwohl der Betriebsleiter, der nur in die Firma gekommen war, um vor Antritt seines Urlaubs einige Dinge zu erledigen, schnell entdeckt wurde, hatte er keine Überlebenschance. Die Schläge auf den Kopf waren tödlich. Da der Betriebsleiter, der zehn Stunden nach der Tat starb, noch den Namen seines Peinigers nennen konnte, klickten bald nach dem Gewaltverbrechen in einem Lokal in Mühlacker die Handschellen.

Nachdem der 36 Jahre alte Familienvater die Tat bei der Polizei ohne Umschweife gestanden hatte, gab er bei Gericht zunächst an, er sei vom Betriebsleiter durch Beleidigungen und einen Tritt gegen das Schienbein provoziert worden. Von dieser Version rückte er am Ende der Beweisaufnahme wieder ab. "Wir hätten sie Ihnen ohnehin nicht geglaubt", verdeutlicht nun Richter Winkelmann. Auch Hinweise auf eine Spielsucht, die eventuell einen Strafnachlass ermöglicht hätte, ergaben sich nicht.

Staatsanwalt Christoph Meyer und Nebenklagevertreter Stefan Kristen hatten eine lebenslange Freiheitsstrafe beantragt. Verteidiger Kristian Frank vertrat in seinem Plädoyer die Aufassung, ein Tötungsvorsatz sei nicht erfüllt. Er wollte wegen einer gefährlichen Körperverletzung mit Todesfolge eine Freiheitsstrafe von maximal zwölf Jahren. Nach dem Urteil sagte der Verteidiger: "Ich muss das Ganze ersteinmal auf mich wirken lassen, mich dann mit meinem Angeklagten besprechen. Ob wir in die Revision gehen, ist völlig offen."