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Bringt man ein verletztes Wildtier zum Tierarzt, kann es sein, dass man am Ende auf den Kosten sitzenbleibt. Im Kelterner Fall könnte es ein Uhu gewesen sein, der gegen ein Fenster flog. Foto: dpa

Leserfrage: Was mache ich, wenn ich ein verletztes Tier finde? Wer zahlt entstehende Kosten?

Wird ein Hund – wie kürzlich in Mühlacker geschehen – von der Feuerwehr aus einem Abwasserrohr befreit, zahlt der Steuerzahler. Christel Höhn aus Keltern hat ebenfalls ein Tier „retten lassen“ und musste die Kosten am Ende selbst tragen. Viel war es nicht – und dennoch fragt sie sich: „Was mache ich mit einem verletzten Tier, dem nur der Tierarzt helfen kann? Laufe ich Gefahr, mich finanziell zu übernehmen?“

Es war im Sommer 2016, berichtet PZ-Leserin Christel Höhn. In ihrem Haus in Keltern hört sie plötzlich heftiges Gepolter im Obergeschoss. Als sie verängstigt nachschaut, entdeckt sie einen „riesigen Vogel“ auf dem Boden. Er lebt noch, bewegt sich jedoch nicht mehr. Sie vermutet darin einen Uhu, ein seltenes Tier, das unter Naturschutz steht. Sie will den Tierarzt rufen, doch es ist mitten in der Nacht. Also meldet sie den Vorfall der Polizei, die zunächst den zuständigen Jagdpächter informiert. Laut Höhn sagte der jedoch, dass er in diesem Fall nicht zuständig sei, da er das geschützte Tier nicht erlösen dürfe. Schließlich schickt die Polizei eine Dame von der Tiernothilfe. „Eine junge Frau, in voller Montur, mit Handschuhen und Schutzanzug und Köcher bewaffnet, ging mit mir die Treppe hoch. Der Vogel, inzwischen nicht mehr so riesig wie in meiner Erinnerung, saß an einem anderen Fenster. Ich wollte die Kamera holen für ein Erinnerungsfoto, aber als sie ihm den Köcher hinhielt, nutzte er ihn als Absprung ins Freie. Eine Erinnerung habe ich dennoch. Eine Rechnung über 61 Euro.“

Tatsächlich ist es oft so, dass die Helfer auf den Kosten sitzen bleiben oder zumindest einen Teil der Rechnung übernehmen müssen. Vorausgesetzt natürlich, es gibt keinen Besitzer, denn dann muss in aller Regel dieser dafür aufkommen. Wird ein verletztes Fundtier zu einem Tierarzt gebracht, entscheidet dieser selbst, ob er die Kosten übernimmt oder nicht. Er muss es aber nicht, wie eine Mühlacker Tierärztin, die namentlich nicht genannt werden möchte, erklärt. In manchen Fällen übernehmen die Städte oder Gemeinden die Rechnung, teilt sie mit. Aber dann müsse es schon um Leben oder Tod gehen. Wirklich geregelt sei dies leider nicht, sagt sie. Hat man ein verletztes Tier gefunden, ist es am besten, man informiert die Polizei. Wenn die nämlich einen Tierarzt ordert oder den Jagdpächter informiert, werden die Kosten in der Regel von der Gemeinde getragen. Bei Christel Höhn war dies leider nicht der Fall. Sie hätte die Rechnung jedoch an die Gemeinde weiterleiten können, denn das können Betroffene immer tun.

Cristel Höhn jedenfalls wird sich künftig zweimal überlegen, ob sie Hilfe sucht: „Jemand mit kleiner Rente kann sich am Ende des Monats keine Tierrettung leisten. Und ich werde, wenn mir wieder etwas Wildes unterkommt, selber tätig werden.“