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27.05.2008

Letzter Karpfen ging ins Netz - Tötete ein Virus die Fische?

MÜHLACKER/WIERNSHEIM. Das Geheimnis um das Karpfensterben in Großglattbach steht vor der Aufklärung. Ein letztes lebendes Exemplar wurde am Dienstag gefangen. Der Karpfen wird vom Fischgesundheitsdienst untersucht.

Das mysteriöse Fischsterben im See von Großglattbach, der vom Angelsportverein Platte mit Sitz in Wiernsheim betreut wird, hält seit zehn Tagen Petrijünger und Naturschützer in Aufregung. Vor einer Woche wurden 15 Karpfen-Kadaver geborgen. Am Samstag wurde ein 55 Zentimeter langer Schuppenkarpfen aus dem Gewässer tot geborgen. Auf Anordnung des Regierungspräsidenten in Karlsruhe setzte Elektrofischer Ralf Haberbosch aus Tettnang sein Gerät im See ein. Hunderte Fische, von denen der größte Teil sofort wieder ins Wasser geworfen wurde, wurden für diese Inventur elektrisch betäubt.

Kapitaler Hecht hängt im Netz

In der Nähe von Seerosen gelang es den zehn anwesenden Vereinsmitgliedern, einen etwa sieben Jahre alten und zwei Kilogramm schweren Schuppenkarpfen zu fangen. „Er sah gesund aus“, sagte Werner Retz, der Bereichsvorsitzende des Landesfischereiverbandes für die Enz und die Würm aus Weil der Stadt. Ein 65 Zentimeter langer Hecht blieb im Netz hängen, das quer durch den See gespannt worden war. Zusätzlich wurden zwei ähnlich große Zander gefangen. „Hingegen fehlt die mittlere Generation der Weißfische“, betonte Werner Retz am Abend.

Nach den Beobachtungen des Personals der benachbarten Kläranlage nähert sich an jedem Morgen kurz vor neun Uhr ein Pulk Kormorane dem Gewässer und fängt die mittelgroßen Fische aus dem See. „Der Vogel steht unter Naturschutz. Wir sind dieser Entwicklung völlig ausgeliefert“, berichtete Rudi Schneider aus Pinache.

Allein 1000 Euro aus der Vereinskasse müssten in das Elektrofischen investiert werden. Nach der Analyse des Bereichsvorsitzenden fehlen im See des Angelsportvereins fast völlig mittelgroßen Weißfische wie Rotaugen mit Längen zwischen 15 und 20 Zentimeter. Werner Retz machte dafür Kormorane und Fischreiher verantwortlich. „Durch die spürbare Überpopulation an Kormoranen fliegen diese Fischräuber bereits so kleine Fischgewässer wie in Großglattbach an“, sagte Retz. Schussapparate und Vogelscheuchen könnten die Vögel nicht mehr verjagen.

Fremdartige Fischkrankheiten?

Die Spekulationen über die Ursachen des geheimnisvollen Karpfen- sterbens drehten sich am Abend um die „Frühlingsvirämie“ oder um eine Infektion, die beim Winterschlaf die Karpfen befallen habe. In acht Tagen sollen über den gefangenen Karpfen erste Untersuchungsergebnisse des Fischgesundheitsdienstes von Baden-Württemberg vorliegen. Heute soll der Fisch lebend zur bereits alarmierten Einrichtung des Landes nach Fellbach transportiert werden. Insgesamt ein Dutzend Fische wurde am Dienstag von Elektrofischer Ralf Haberbosch vor Ort untersucht und ihr Alter analysiert. Der Fischbesatz der beiden Seen am Glattbach soll optimiert werden.