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14.08.2008

Mann demoliert Auto mit Baseball-Schläger

MÜHLACKER/PFORZHEIM. Im Stil einer Gangsterbande aus Chicago ist ein 20-jähriger Mann aus Dürrmenz mit fünf Helfern und zwei Autos vor einem Lokal in Kraichtal vorgefahren. Er schlug einem Gast mit der Faust ins Gesicht.

Das Jugendschöffengericht in Pforzheim unter dem Vorsitz von Richter Ingo Mertgen servierte dem jungen Mann gestern dafür die Quittung. Wegen vorsätzlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und einer späteren Straftat mit illegalem Waffenbesitz wurde der geständige Angeklagte zu acht Monaten Jugendhaft verurteilt. Allerdings hat er sich im Juli in Karlsruhe-Rüppur bereits wieder eine Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert. Das deckte vor dem Schöffengericht in Pforzheim Staatsanwältin Friederike Tenckhoff auf.

Zu diesem Zeitpunkt habe noch eine Führerscheinsperre des Amtsgerichts in Bretten gegolten. Das Amtsgericht Maulbronn hatte einen weiteren Hinweis gegeben. Danach soll der Heranwachsende noch vor wenigen Wochen mit einem Teebeutel, Sprengstoff und Rauschgift hantiert haben.

Wie im Chicago der dreißiger Jahre hatte an einem Novemberabend der damals 19-jährige Täter fünf junge Männer als schlagkräftiges Rollkommando um sich versammelt und war mit ihnen vor eine Gaststätte in Kraichtal-Menzingen gefahren. Teilweise waren die Mitglieder der Schlägergruppe maskiert. Auch zwei Mädchen waren dabei. Im Lokal traktierte der überführte und geständige Täter einen jungen Gast mit Faustschlägen, der ihm angeblich als Ersatz für Schäden am Motorroller seiner damaligen Freundin eine Summe von 400 Euro schuldete. „Ich wollte das allein machen“, sagte der Täter vor dem Richter.

Sein Opfer trug bei der Schlägerei eine schmerzhafte Jochbein-Prellung davon. „Ich lag auf dem Boden. Der Angreifer hat auf mich drauf getrommelt wie ein Irrer“, sagte der Mann im Zeugenstand. Zwei Freunde aus dem Rollkommando unterhielten sich derweil mit weiteren Gästen im Lokal. Nach der Prügelei in der Gaststätte reichte ein weiteres Mitglied aus dem Rollkommando dem Täter auf der Straße einen Baseballschläger, mit dem der aggressive Angreifer seine Wut an dessen Mazda austobte und die Windschutzscheibe zertrümmerte.

Schreckschuss-Waffe mitgeführt

Seine Ex-Freundin zerstach zusätzlich die Reifen des traktierten Autos. Der Richter meinte, es sei darum gegangen, dem Opfer wegen der ausbleibenden Zahlung der Entschädigung eine „Abreibung zu verpassen“. Erneut ging im Januar der mit acht Vorstrafen belastete Mann aus Dürrmenz der Polizei in Upstadt-Weiher ins Netz.

Er hatte eine Schreckschusspistole Marke Walther ohne Waffenschein dabei. Außerdem wur- den bei ihm fast 2,5 Gramm Rauschgift von Amphetaminen bis zu Marihuana gefunden. Diese Straftaten wurden gestern ebenfalls geahndet. Zuvor war der junge Mann aus Dürrmenz bereits zweimal wegen zweiwöchigem und dreiwöchigem Arrest in die Jugendstrafanstalt in Wiesloch eingezogen. „Das hat alles aber wenig Eindruck auf Sie gemacht“, meinte der Richter. Ingo Mertgen zog im Prozess die Grenzlinie. Eine weitere Verurteilung würde auf jeden Fall zu einer Gefängnisstrafe in einer Jugendhaftanstalt führen. „Schädliche Neigungen“ seien beim Täter vorhanden.

Herumgereicht in Jugendheimen

Das Gericht, das mit dem Angeklagten aufgrund seiner Einlassungen recht milde umging, arbeitete in der Urteilsbegründung die schwierige Biografie des Angeklagten auf. So sei er zwischen Erziehungseinrichtungen, darunter der Sperlingshof bei Wilferdingen und die Niefernburg, hin und her geschoben worden. Ein Jahr lang sei er dann zur Therapie in Estland gewesen. Immerhin befindet sich der Lehrling ohne Schulabschluss derzeit in einer beruflichen Ausbildung in einem Betrieb in Oberderdingen. „Dort läuft es gut“, sagte die Mutter, die neben Verteidigerin Judith Constroffer aus Mühlacker ihren Sohn in der Verhandlung nach Kräften unterstützte. Seit einem Jahr befindet sich der aggressive junge Mann in dieser Lehre. Die ersten Schritte des Mannes aus Mühlacker in einer Therapie des Christlichen Jugenddorfwerks wurden ebenso strafmildernd vom Schöffengericht gewürdigt.