nach oben
Auch Lehrer Lämpel (Mitte) gehört zu den Opfern, wenn die Lausbuben Max (links) und Moritz ihre Streiche spielen. Die Kleine Oper Bad Homburg brachte das Stück in Maulbronn auf die Bühne.  Jähne
Auch Lehrer Lämpel (Mitte) gehört zu den Opfern, wenn die Lausbuben Max (links) und Moritz ihre Streiche spielen. Die Kleine Oper Bad Homburg brachte das Stück in Maulbronn auf die Bühne. Jähne
02.11.2016

Max und Moritz eröffnen die Familientheaterwoche in Maulbronn.

Ritzeratze! Voller Tücke! In die Brücke eine Lücke!“: Die Zeilen aus der berühmten Bildergeschichte von Wilhelm Busch haben Kultcharakter. Am vergangenen Montagnachmittag wurde „Max & Moritz“ im Rahmen des Maulbronner Familientheaters in ihrer etwas schräg-bunten Variante vor rund 120 Besuchern aufgeführt.

Dabei ist die Liste der Leidenden, die Opfer der Streiche der beiden nimmermüden Racker werden, alles andere gering: Dem Lehrer Lämpel explodiert die Tabakspfeife, der Witwe Bolte werden die Brathähnchen per Angelhaken aus dem Kamin gefischt und am Ende beißen die beiden Störenfriede selbst ins Gras. Was in seiner ursprünglichen Fassung von 1865 sogar noch ziemlich deftig und makaber vonstatten ging, wurde von den Protagonisten der Kleinen Oper Bad Homburg für die Kinderaugen freilich massiv entschärft, um sich dabei verstärkt auf die quietschbunte Kostüme und mitunter recht ausgefallene Sets zu konzentrieren: Da kommt die Witwe Bolte – mit ausgeprägtem bayerischem Akzent – schon mal auf einem Holzhuhn hereingeritten während eine transparente Riesenkanne, die sich nach Belieben öffnen oder in ein Wohnzimmer verwandeln lässt, eine der Hauptkulissen bildete.

Und Max und Moritz selbst überzeugten nicht nur durch arienhafte Operngesänge, sondern schwingen ihre Hüften auch mal zu modernen Discorhythmen. Keine Explosion ohne echten Knalleffekt und Pyros: Als sich Lämpel alias Markus Neumeyer gemütlich im Sessel die Pfeife ansteckt, raucht und zischt es, die Funken sprühen, gibt es schon mal spontanen Szenenapplaus vonseiten der jugendlichen Besucherschaft, wohingegen die Veranstalter der Stadt Maulbronn bereits schon vor der Aufführung echten Humor bewiesen: So hatte sich kein Geringerer als Bürgermeister Andreas Felchle selbst das Mönchsgewand übergezogen, um an diesem Nachmittag mal nicht als Schultes, sondern als Popcornverkäufer zu fungieren.