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Oberderdingens Bürgermeister Thomas Nowitzki (von links), Ortsvorsteher Oskar Combe und Pfarrer Lukas Frei vor der Andacht in der Großvillarser Waldenserkirche.
Oberderdingens Bürgermeister Thomas Nowitzki (von links), Ortsvorsteher Oskar Combe und Pfarrer Lukas Frei vor der Andacht in der Großvillarser Waldenserkirche.
Mit einem Freudenfeuer feiern am Samstag 400 Besucher in Großvillars den 171. Jahrestag der Gewährung der bürgerlichen Rechte für die Waldenser. Fotos: Prokoph
Mit einem Freudenfeuer feiern am Samstag 400 Besucher in Großvillars den 171. Jahrestag der Gewährung der bürgerlichen Rechte für die Waldenser. Fotos: Prokoph
17.02.2019

Mit Freudenfeuer: Nachfahren der Waldenser erinnern an das Ende ihrer Unterdrückung

Oberderdingen-Großvillars. „Als Waldensernachfahre in der 13. Generation ist es mir persönlich ein Anliegen, an die Tradition der Freudenfeuer in Großvillars anzuknüpfen“, sagte Oskar Combe am Samstagabend. Der Großvillarser Ortsvorsteher hat bereits im Jahr 2017 bei einem Besuch in der Partnerstadt Villar Perosa die Idee dazu gehabt.

Vor einem Jahr wurde sie im Oberderdinger Teilort dann erstmals umgesetzt und kam gleich gut an. Auch am Samstag trafen sich rund 400 Besucher, um mit Fackeln vom Dorfplatz bis zum Friedhof zu laufen, und dort die vom Bürgerverein und von den Feuerwehrabteilungen aus Großvillars und Flehingen errichtete große Holzbeige anzuzünden.

Vorab trafen sich rund 150 Besucher in der Großvillarser Waldenserkirche zur Andacht mit Pfarrer Lukas Frei. Diese wurde musikalisch umrahmt von den Jagdhornbläsern Stromberg unter der Leitung von Friedmar Pfitzenmeier und dem Kirchenchor unter dem Dirigat von Silke Pfeil, der in Waldensertracht gekleidet war, Mit Dirigent Helmut Fretz unterhielt zudem noch der Oberderdinger Musikverein. „Es ist schön, dass diese Veranstaltung die gesamte Gemeinde umfasst“, sagte Bürgermeister Thomas Nowitzki und appellierte, bei den Wahlen im Mai für Europa zu votieren, das der größte Friedensgarant sei. „Das ist heute ein Tag, an dem wir die Freiheit feiern“, sagte Pfarrer Lukas Frei im voll besetzten Gotteshaus.

Die Waldenser seien bis zum 17. Februar 1848 Bürger zweiter Klasse gewesen, führte Frei aus. Denn an diesem Tag wurden den Waldensern im Piemont durch Erlass des Königs Karl Albert die zivilen Rechte zuerkannt. Seither konnten sie endlich als freie Menschen leben. Während die französischen Waldenser im Jahr 1699 in Deutschland, bei uns in der Region unter anderem in Groß- und Kleinvillars, Serres und Pinache, eine neue Heimat fanden, blieben jene im Piemont weitgehend rechtlos. Sie waren aus ihren angestammten Tälern hoch in die Berge verbannt worden und mussten dort unter schwersten Bedingungen leben. Unter dem Druck der revolutionären Ereignisse von 1848 erließ König Karl Albert von Sardinien-Piemont am 17. Februar 1848 in Turin ein Edikt, das den Waldensern alle bürgerlichen und politischen Rechte zubilligte. Zur Erinnerung daran werden deshalb noch heute am Vorabend des 17. Februar in vielen Waldenserorten Freudenfeuer entfacht.