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Glückliches Brautpaar: Anny Maleyes (MItte) traute Anne und Sven auf einem Gartengrundstück in Lienzingen.  Foto: OB-FOTO - Oliver Breckle Fotografie 
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Im Sommer schreibt Anny Maleyes ihre Traureden gerne an der frischen Luft – zum Beispiel in ihrem Garten im Mühlacker Wohngebiet Stöckach. Für ihre Traureden nimmt sie sich viel Zeit.  Foto: Schrader 

Mit viel Herz bei der Sache - Anny Maleyes aus Mühlacker ist freie Traurednerin

Mühlacker. Es ist dunkel, die Uhr zeigt Mitternacht, als die Zeremonie beginnt. Kerzenschein und die Stille der Nacht schaffen eine ganz besondere Atmosphäre. „Das war eine Trauung, an die ich mich gerne erinnere“, sagt Anny Maleyes. Das Brautpaar wollte unbedingt an seinem Jahrestag heiraten, erzählt die 41-Jährige. Dieser fiel jedoch auf einen Sonntag. Kurzerhand zogen sie die Feier einfach vor, luden die Gäste samstagabends ein und ließen sich zur Mitternachtsstunde trauen.

Was Kirche und Standesamt nicht leisten können, bieten freie Traurednerinnen wie Anny Maleyes an. Und die Nachfrage steigt. Einer Studie zufolge ist die Zahl der kirchlichen Trauungen stark zurückgegangen. Suchten 2017 noch 47 Prozent Gottes Segen, entschieden sich 2018 nur 38 Prozent der Paare für eine kirchliche Trauung. „Das hat in den vergangenen acht, neun Jahren stark zugenommen“, sagt Anny Maleyes. Als ich vor 16 Jahren als freie Traurednerin begann, war diese Art der Trauung noch exotisch.“ Gerade die ältere Generation, also Eltern und Großeltern der Brautpaare, können mit dem Begriff „freie Trauung“ oft nichts anfangen. Nicht selten seien diese Parteien im Vorfeld dann skeptisch, einfach, weil sie es nicht kennen und sich nichts darunter vorstellen können. „Wenn ich diese Personen dann mit meiner Trauung überzeugen kann, dann finde ich das immer besonders schön.“

Für Heiratswillige, die glaubenslos sind, interkulturell oder zum zweiten Mal heiraten, oder zum Beispiel eine gleichgeschlechtliche Ehe eingehen, ist die freie Trauung eine willkommene Alternative. Denn dabei sind den Wünschen des Brautpaars fast keine Grenzen gesetzt. „Es ist eine schöne Zeremonie, die über das Formelle bei der standesamtlichen Trauung hinausgeht“, so Anny Maleyes. „Man kann Mottos und Rituale einbinden, ist freier in der Wahl der Lokalität. Die ganze Zeremonie ist auf das Paar zugeschnitten.“ Einer der exotischsten Orte, an denen die Katzenliebhaberin bisher getraut hat, war ein Ausflugsboot. Ansonsten ist alles dabei: Gartengrundstücke, Burgen, Schlösser, gewöhnliche Säle. Im Raum Mühlacker sei vor allem das Schloss Mühlhausen ein beliebter Ort zum Heiraten.

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