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17.04.2009

Mittelstand verlangt Breitband-Leistung

WIERNSHEIM. Das Tauziehen um einen leistungsstarken Breitband-Anschluss in Wiernsheim wird zum regionalen Politikum. Die Industrie- und Handelskammer hat den Gemeinden im Heckengäu einen Runden Tisch angeboten.

Der Streit in Wiernsheim um die Anbindung an das Netz gärt seit Jahren. Die Bürgerinitiative in der Platte-Gemeinde für einen leistungsstarken Anschluss musste im Vorjahr kapitulieren, weil sie mit juristischen Klage-Androhungen überzogen wurde. „Das Heckengäu gilt bei uns als weißer Fleck auf der Landkarte. Wir haben den regional betroffenen Bürgermeistern einen Runden Tisch mit Netzanbietern vorgeschlagen, aber darauf keine Antwort erhalten“, betonte gestern Standort-Beauftragter Manfred Gaiser. Aus Wiernsheim sei der Wirtschafts-Vertretung in Pforzheim bekannt, dass Mittelständler vor Ort nach wie vor unter den Nachteilen einer mangelhaften Internet-Erschließung zu leiden hätten. Ähnlich wie Wiernsheim und Friolzheim kämpften auch Keltern, Remchingen und Straubenhardt um einen starken Anschluss an das Datennetz.

Gewerbetreibende in großer Not

Es gäbe schon Betriebe aus dem Handwerk, die wegen dieser Standort-Defizite ihre Entscheidung zugunsten von Wiernsheim heute bedauerten, ließ Vorsitzender Erhard Peter vom Gewerbeverein durchblicken. „Wir müssen in den nächsten zwei oder drei Jahren entscheidend nach vorn kommen. Sonst werden wir abgekoppelt“, meinte Peter gestern zur PZ. Es müsse wie vom Bürgermeister zugesagt eine „Gesamtlösung für Wiernsheim“ geben, nicht nur für einen Ortsteil wie Iptingen. Dort will sich die Telekom engagieren (die PZ berichtete aktuell).

Der vom Gemeinderat eingesetzte ehrenamtliche Breitband-Beauftragte Wolfgang Hanisch sagte, die Gemeinde habe im Ringen mit den Kabelnetz-Betreibern „manche Niederlage einstecken müssen“. Selbstständige wie Reisebüro- und Werkstatt-Inhaber, Optiker, Immobilien- und Versicherungsmakler, Apotheken und Ärzte seien sehr auf leistungsstarke Datenleitungen angewiesen. Sie könnten sich keine kostspieligen Sondertarife leisten. Für ihn sei die Entscheidung der Telekom zugunsten eines Engagements im 1200 Einwohner großen Iptingen eine Trendwende. Es könne in den nächsten Monaten zum Vertragsabschluss ebenso über die Netz-Erschließung des Zentrums Wiernsheim kommen. Die derzeit praktizierte Lösung mit dem Funk-Anbieter Skytron aus Keltern stufte Hanisch für die Gemeinde als „Zwischenlösung bis zum Jahr 2012“ ein. Dessen Firmengeschäftsführer Stefan Schneider sagte, eine „mittlere dreistellige Kundenzahl“ werde bereits in Wiernsheim betreut. Mit modernster Funktechnik ließen sich bis zu 100 MegaBit übermitteln, mit DSL könne bei 16 MegaBit Schluss sein.

Sein Unternehmen sei heute darauf eingestellt, mit einer innovativen Technik mindestens zehn Jahre lang alle Kunden in Wiernsheim flächendeckend zu bedienen. Hanisch berichte, neben Skytron und Telekom seien als Anbieter in Wiernsheim Vodafone, Kabel-Bw und Neckar.com aktiv oder vorstellbar. Durch einige geplante Neubaugebiete mit bis zu 200 Wohneinheiten wie am Schelmenäcker sei Wiernsheim für Netzbetreiber wie die Telekom wieder interessant geworden. Sorgen mache er sich aber um Pinache, das von Mühlacker aus ans Netz angeschlossen sei.