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Hinter den Mauern der Karl Bausch GmbH hat ein Vorarbeiter aus Mühlacker den Betriebsleiter der Kleinglattbacher Stanzerei mit einer Eisenstange getötet. 
Hinter den Mauern der Karl Bausch GmbH hat ein Vorarbeiter aus Mühlacker den Betriebsleiter der Kleinglattbacher Stanzerei mit einer Eisenstange getötet.  © PZ-Archiv
06.10.2010

Mordprozess geht in die nächste Runde

HEILBRONN/MÜHLACKER. Im Prozess um einen Mord in einer Firma in Vaihingen-Kleinglattbach sind am Mittwoch etliche Zeugen gehört worden. Allein fünf von ihnen kamen aus Mühlacker. Aus der Senderstadt stammt auch der Angeklagte, der sich vor dem Landgericht Heilbronn verantworten muss, weil er auf den Betriebsleiter einschlug, als der ihn beim Aufbrechen eines Getränkeautomaten ertappte. Das Opfer starb kurz nach der Tat am 20. Februar, am selben Tag erfolgte die Festnahme.

Bei der Befragung der Zeugen ging es der Schwurgerichtskammer vor allem um die angebliche Spielsucht des Angeklagten, die ihn im Falle einer Verurteilung wegen Mordes möglicherweise vor einer lebenslangen Haftstrafe bewahren würde. Klare Hinweise auf eine Spielsucht ergaben sich nicht. Obwohl der Mann, der in der Firma bis zu 3000 Euro netto verdiente, nach Aussage mehrer Zeugen knapp bei Kasse war, entstand nicht der Eindruck, dass er Unsummen an Automaten verspielte. Teilweise soll er nur Cent-Beträge eingeworfen und eher zum Zeitvertreib gespielt haben. "Mit Geld konnte er nicht umgehen, aber als manche sagten, er sei spielsüchtig, habe ich das nur für Geschwätz gehalten", sagte der Schwager des Angeklagten.

Der Lohn des 36-Jährigen wurde seit einiger Zeit auf das Konto seiner Frau überwiesen. Er sei nicht verfügungsberechtigt gewesen, sagte die Sachbearbeiterin der Polizei in Ludwigsburg. Sie hatte nach der Tat auch Kontakt zur Ehefrau des Opfers. Die gesamte Familie habe unter Schock gestanden und nicht gewusst, wie es ohne den Vater weitergehen soll. Vor Gericht ließen die Angehörigen des Opfers über ihren Anwalt Stefan Kristen mitteilen, dass sie sich nicht in der Lage sehen, in den Zeugenstand zu treten. Die psychische Belastung wäre zu groß.

Einen Einblick in die Verfassung des Angeklagten boten zwei Schreiben, die verlesen wurden. Der Mann aus Mühlacker hatte sowohl seiner Ehefrau als auch dem Gericht geschrieben. "Meine Lebenslüge ist geplatzt wie eine Seifenblase", hieß es dort. Er sei ein Lügner und Falschspieler gewesen. Er bereue die "verwerfliche Tat" und schäme sich dafür. Da aus den Briefen auch klar hervorgeht, dass es ihm vor allem darum geht, nicht lebenslang ins Gefängnis zu müssen, neigt das Gericht zu der Auffassung, dass der Inhalt der Briefe von taktischen Motiven geprägt ist. Hinweise auf angebliche Provokationen seitens des Opfers gibt es nach wie vor nicht.

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