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War auf der Costa Concordia: Svetlana Stefanello aus Mühlacker und ihr Mann Enzo.
15.01.2012

Mühlacker Ehepaar überlebt Schiffsunglück in Italien

ROM/GIGLIO/MÜHLACKER. Ein Ehepaar aus Mühlacker hat die Havarie des Kreuzfahrtschiffes „Costa Concordia" miterlebt - und unverletzt überlebt. In der Senderstadt betreiben der 43 Jahre alte Enzo Stefanello und seine Ehefrau Svetlana das "Eiscafé Stefanello". Bereits im Dezember machten sie sich auf in Stefanellos Heimat Italien und setzten dort die Idee einer Schiffsreise kurzfristig in die Tat um. Die PZ erreichte Stefanello am Sonntagnachmittag, nachdem er bereits wieder in seinem Heimatort Conegliano im Treviso angekommen war.

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Dort verfolgte er über das Fernsehen die weiteren Entwicklungen rund um das Kreuzfahrtschiff. Trotz der Betroffenheit äußerte sich Stefanello im Gespräch mit der PZ äußerst ruhig und gefasst. Am Freitagabend wohl zwischen 21 Uhr und 21.30 Uhr, man sei gerade beim Abendessen gewesen, sei auf einmal ein "großer Schlag" zu hören gewesen. Das Schiff sei auf eine Seite gekippt. Trotzdem seien die Passagiere ruhig geblieben. Mit seiner Frau sei er noch kurz in die Kabine gegangen, habe dort aber lediglich eine Weste geholt. Mehrmals sei der Strom ausgefallen. Mehrsprachige Durchsagen hätten zunächst den Stromausfall als einziges Problem benannt, die Passagiere beruhigt.

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Stefanello begab sich an Deck 11. Dann habe eine Durchsage darum gebeten, zu Deck 4 zu kommen. Da er wußte, dass sich dort die Rettungsboote befanden, wurde ihm nun klar, dass die Schiffsreisenden in Gefahr waren. Zusammen mit ungefähr 50 Personen sei er mit seiner 30 Jahre alten Ehefrau vor den meisten anderen auf Giglio gelandet. "Die Leute auf der Insel waren sehr nett." Am nächsten Tag ging es nach Savona, mit Ersatz-Dokumenten dann weiter in die Heimat: "Ich habe 36 Stunden nicht geschlafen." Seine Frau stehe unter Schock, auch zwei Tage nach dem Unglück kämen ihr immer wieder die Tränen. "Wir haben alles verloren. Ich hatte eine Jeans, ein Hemd, einen Pullover und Schuhe, aber nicht einmal Socken an und nur 50 Euro und eine Bankkarte in der Tasche", berichtete Stefanello. "Eigentlich müsste man in der Kirche eine ganz große Kerze anzünden. Wir haben wirklich Szenen wie auf der `Titanic`erlebt." Zur Sicherheit, will er seine erschütterte Frau für eine Check in die Klinik bringen.

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Was das Verhalten des Kapitäns und der Crew angeht, hat Stefanello kein eindeutiges Bild. Zwar meint, er dass "irgendwie alles zu lange" gedauert hat, die Rettung zu spät eingeleitet wurde, möglicherweise habe der Kapitän letztlich aber trotzdem noch richtig gehandelt. Das Ehepaar will nun wie geplant noch etwa zwei Wochen bei der in Mühlacker ebenfalls bekannten Mutter Marisa Stefanello in Conegliano bleiben, um dann wieder in den eigenen Laden zurückzukehren. Dort war dem jüngerern Bruder Alfonso, als er vom Schiffsunglück hörte, gar nicht bewusst gewesen, dass sich die Eheleute an Bord befanden. "Ich hatte angenommen, dass sie später eine Schiffsreise antreten", sagte Alfonso Stefanello. So wurde ihm erst mulmig, als sein Bruder anrief und schon Entwarnung gab. "Im Nachhinein brauche ich eigentlich keine Angst zu haben", sagt der daheim gebliebene Bruder, der dennoch durch ein Wechselbad der Gefühle geht. Ralf Kohler

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