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Kicker loten in Ötisheim Grenzen aus © Kohler
31.08.2010

Mühlacker Kicker loten Grenzen aus

ÖTISHEIM/MÜHLACKER. Auf den Sportplätzen geht es nicht immer fair zu. Körperbetont zu spielen, ist allerdings nicht die einzige Möglichkeit, Grenzen auszuloten. Nicht immer gelangt der, der foult oder provoziert, zum Erfolg.

Bildergalerie: Grenzen der Sportlichkeit im Lokalfußball

„Bisher sind wir zu brav, um auf Dauer vorne mitzuspielen“, sagt Jürgen Widmann, der die Fußballer des A-Ligisten Spielvereinigung Zaisersweiher trainiert. Zumindest der vom SV Sternenfels gekommene Torhüter Maurice Berger kann auch ganz anders. Dass zeigte sich jüngst, als Zaisersweiher beim TSV Ötisheim spielte und die Partie letztlich mit 3:2 Toren für sich entschied.

Die Spielvereinigung führte mit 3:1, als Berger den gegnerischen Angreifer Marco Keller foulte und gelb sah. Das war noch nichts Außergewöhnliches, doch ehe der fällige Elfmeter ausgeführt wurde, wollte der junge Mann mit allen Mitteln Dominanz demonstrieren, in der Hoffnung in dieser Schlüsselszene, als ob er ein ausgebuffter Profi wäre, den Ötisheimer Schützen Thorsten Barho zu beeinflussen.

Der Tormann schnappte den Ball, bearbeitete am Elfmeterpunkt den Rasen mit dem Schuh, ging zurück ins Tor, die Kugel noch immer nicht freigebend. All das sah sich der Schiedsrichter in aller Ruhe mit an, ebenso Barho, der den Strafstoß nervenstark verwandelte. Als Berger daraufhin wutentbrannt den Ball wegtrat, um für seine Mannschaft Zeit zu schinden, erhielt er für die gesammelten Provokationen, mit denen er das Ötisheimer Publikum gegen sich aufbrachte, die Quittung. In seinem ersten Spiel für Zaisersweiher musste Berger mit gelb-rot vorzeitig vom Feld. Dass er daraufhin die Kabinentür zuknallte, wunderte niemanden mehr.

Indes will Trainer Widmann will von all dem nichts mitbekommen haben, sondern von dem grenzwertigen Verhalten erst aus der Zeitung erfahren haben. Er werde Berger noch darauf ansprechen, versicherte Widmann im Gespräch mit der PZ. „In jedem Fall vordere ich die Spieler nicht dazu auf, sich unsportlich zu verhalten“, betonte Zaisersweihers Coach. Dabei stört sich nicht einmal Schiedsrichter Walter Buck vom TSV Maulbronn daran, dass Spieler in die psychologische Trickkiste greifen. Es sei nun wirklich nichts Neues, dass auf dem Fußballplatz immer wieder versucht werde, einen Vorteil zu erlangen. Wo Cleverness in Dreistigkeit, gar in Unsportlichkeit, übergeht, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Buck spricht sogar von einer Art Recht der Kicker auf Foulspiel. Entscheidend ist aus seiner Sicht, wie sich die Unparteiischen verhalten. Sie müssten eben aufmerksam sein, eine klare Linie verfolgen und demzufolge notfalls schon frühzeitig die gelbe oder die rote Karte zeigen. Auch Imam Özalp, mit 44 Jahren als Spieler und als Trainer erfahren, findet es ganz normal, dass Woche für Woche und in den unteren Ligen genauso wie bei den Berufsfußballern die Grenzen ausgelotet werden. Ehe ein Freistoß oder eine Ecke ausgeführt werde, sei im Strafraum so viel Bewegung, dass der eine dem anderen wie durch Zufall einen Rempler verpassen oder auf den Fuß treten könne, meint der Mann vom B-Ligisten FV Lienzingen. Vor einer Woche hat Özalp einen Unparteiischen dazu bewegt, anstatt einem Spieler gelb zu zeigen, einen anderen Mann des Gegners mit Gelb-Rot vom Feld zu schicken. Indem er den Schiri auf einen Irrtum aufmerksam mache, habe er für sein Team nun aber wirklich keinen ungerechtfertigten Vorteil erlangt.