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Aus dem Krankenhaus Mühlacker nicht wegzudenken: Gisela Seitter (links) und Claudia Münchinger haben dort in den 1970er- Jahren als Krankenschwestern gelernt. Heute sind beide in der Endoskopie. Foto: Heilemann
Aus dem Krankenhaus Mühlacker nicht wegzudenken: Gisela Seitter (links) und Claudia Münchinger haben dort in den 1970er- Jahren als Krankenschwestern gelernt. Heute sind beide in der Endoskopie. Foto: Heilemann
Die OP-Säle sahen damals im Krankenhaus Mühlacker so aus. Foto: Stadtarchiv Mühlacker
Die OP-Säle sahen damals im Krankenhaus Mühlacker so aus. Foto: Stadtarchiv Mühlacker
14.10.2017

Mühlacker feiert sein Krankenhaus

Mühlacker/Enzkreis. Die Patienten gehen vor. Krankenhausgeschichte, von denen die Gesundheits- und Krankenpflegerinnen Claudia Münchinger und Gisela Seitter über vier Jahrzehnte selbst erlebt haben, ist spannend. Aber wichtiger sind die Menschen, um die sich die beiden in der Endoskopie im Krankenhaus Mühlacker hier und jetzt nach Spiegelungen im Bauchbereich weiter kümmern müssen. Sie sprechen mit Kolleginnen ab, wer welchen Patienten im Blick behält – erst dann klinken sie sich aus, um der PZ von ihren Erfahrungen zu erzählen. Am Samstag erinnert ein Festakt daran, dass Mühlacker vor 125 Jahren sein erstes Krankenhaus erhalten hat.

Kliniken – das sind zwar immer auch große Gebäude und teure medizinische Geräte. Vor allem stehen sie aber für viele Menschen. Patienten mit ihren Sorgen, Angehörige auf Besuch, Ärzte und natürlich Krankenschwestern. So hieß Claudia Münchingers und Gisela Seitters Beruf noch, als sie ihn Anfang der 1970er-Jahre lernten – Gisela Seitter übrigens in der alten Einrichtung im Heidenwäldle, wo auch Berufsnachwuchs für die damaligen Krankenhäuser in Maulbronn und Vaihingen ausgebildet wurde. Claudia Münchinger zog 1975 mit dem ersten Jahrgang ins nagelneue Schwesternwohnheim am Klinikneubau im Mühlacker Lindach. „Wir haben nicht nur zusammen gelernt, sondern fast alle zusammen auf einer Etage zusammen gelebt und manchmal auch zusammen gefeiert“, sagt sie: „Das hat uns Schwestern richtig zusammengeschweißt.“

Das 1975 eingeweihte, neue Krankenhaus Mühlacker war gemessen an der Bettenzahl in den ersten Arbeitsjahren der beiden Krankenschwestern größer als heute. Und doch berichten beide, dass sie heute mit deutlich mehr Patienten zu tun hätten als früher. „Es gibt mehr Untersuchungen, mehr Durchlauf“, sagen sie. Im Durchschnitt liegt in Mühlacker ein Patient heute kaum mehr als fünf Tage. Noch 1990 lag der Durchschnitt landesweit bei 13,5 Tagen. Fragt man Claudia Münchinger und Gisela Seitter, was sich im Lauf der Jahrzehnte vor allem in ihrer Arbeitswelt verändert hat, müssen beide nicht lange nachdenken. Trotz aller technischer Neuerungen – „anders ist vor allem die Zeit, die wir mit einzelnen Patienten zubringen“. Viel knapper ist diese Zeit geworden. Die Kontakte weniger intensiv. „Obwohl wir immer noch ein sehr persönliches Haus sind“, sagen beide: „Viele Menschen hier sieht man immer mal wieder, die Leute kennen sich hier.“

Von der Rohrpost zur E-Mail

Technische Veränderungen sehen beide als etwas, das man recht schnell in die Routine integriert. Andere Dinge seien einschneidender. Dokumentationen und Checklisten zum Beispiel nähmen heute viel größeren Raum ein – auch wenn in den 70ern auf Zetteln dokumentiert wurde und Daten nicht digital befördert wurden, sondern per Rohrpost. Für Dinge, die nicht durch den Computer passen, gibt es heute einen Bring- und Holdienst.

Einmal wird das Gespräch kurz unterbrochen, als der neue Chef der Inneren Medizin, Dr. Stefan Pfeiffer, vorbeischaut. Aber auch so sind die Frauen in Gedanken immer auch bei den Patienten. Kaum ist das Gespräch beendet, führt ihr erster Weg in einen Behandlungsraum.