nach oben
14.01.2011

Natürliche Muntermacher: Was bleibt vom Grünprojekt?

MÜHLACKER. Die Stadt Mühlacker will rund 4,8 Millionen Euro in die kleine Gartenschau 2015 investieren. Nach den Erfahrungen von Städten, die schon Grünprojekte gemacht haben, lohnt sich das. Sie profitieren noch heute davon.

Mehr Lebensqualität soll die geplante neue grüne Mitte für Mühlacker bringen. Und sie soll die Stadt attraktiver machen und dadurch wachsen lassen. Große Hoffnungen verbinden viele in Mühlacker mit der kleinen Gartenschau und den Anlagen, die dafür dauerhaft geschaffen werden sollen. Zu Recht? Die PZ hat sich bei Städten umgehört, die schon wissen, was von einem Grünprojekt bleibt.

Beispiel Pfullendorf: Die 13 000- Einwohnerstadt im Kreis Sigmaringen war 2001 die erste, die eine kleine Gartenschau organisierte. Voraussetzung dafür ist laut Ministerium für ländlichen Raum, dass es ein Problem mit dem Grün in der Stadt gibt. In Pfullendorf war das ein Baggersee, in dem nicht mehr gebaggert wurde. Zur Erholung wollte auch niemand hin, erinnert der Stadtwerkegeschäftsführer Jörg-Arne Bias. Es habe wilde Feten und Unordnung gegeben. Mt dem Grünprojekt machte die Stadt daraus ein Ausflugsziel, das Besucher aus einem weiten Umkreis anzieht. Der „Seepark Linzgau“ wird weiter ausgebaut. Mittlerweile gibt es dort neben Badebetrieb, Spielplätzen, einem Planetenweg und einem jährlichen Festival auch eine Wasserskianlage und einen Abenteuer-Golfplatz. Der Seepark sei auch ein Thema, wenn es um Gewerbeansiedlungen oder neuen Wohnraum geht, so Bias. Ein echter Standortfaktor.

Beispiel Tuttlingen: Die Kreisstadt mit rund 35 000 Einwohnern ganz im Süden des Landes hat das Grünprojekt 2003 genutzt, um eine Ödnis mitten im Ort mit Hinterlassenschaften wie einer alten Tankstelle in einen Bürgerpark zu verwandeln. „Heute entspannen viele dort in der Mittagspause, es wird Sport getrieben, Skater sind auf dem zentralen Weg unterwegs, Schulen und Senioren sind oft im Park und daneben ist er zum Ziel für den klassischen Familienausflug geworden“, sagt Michael Hensch von der Abteilung Umwelt- und Grünplanung der Stadt. Ein Café habe sich zur Trendeinrichtung gemausert. „Wir rüsten dort sogar einen Strand nach“, so Hensch. Bei Kulturveranstaltungen werde aufs Ehrenamt gesetzt. Das spielte auch im Gartenschau-Jahr eine Rolle. Tuttlingen habe die Investitionen konzentriert auf Anlagen, die bleiben, und beim Veranstaltungsprogramm Abstriche gemacht. Trotzdem sei das Projekt auch ein Marketing-Erfolg gewesen. „Früher konnten wir nie Besucher aus der Bodenseeregion anlocken, mit dem Grünprojekt haben wir das endlich geschafft“, so Hensch.

Beispiel Ladenburg: In der kleinen Stadt im Rhein-Neckar-Kreis (11 500 Einwohner) ist nicht nur in diesen Tagen Hochwasser ein Riesenthema. „Mit dem Grünprojekt 2005 haben wir den Schutz am Neckar verbessert“, sagt der stellvertretende Bauamtsleiter Herbert Felbek: „Wir haben damals Dinge auf die Beine gestellt, die wir sonst nie und nimmer geschafft hätten.“ Ein staubiges Gelände mit Sportanlage am Stadteingang sei zu einer belebten Festwiese geworden. Und dort wurde erreicht, dass die Ladenburger überhaupt einen Zugang zum Neckar haben. Der Fluss sei früher zugewuchert gewesen. Es seien fast nur Anlagen entstanden, die bis heute von den Menschen stark genutzt würden. „Und wir haben sie so gebaut, dass der Unterhaltungsaufwand heute nicht größer ist als vor dem Grünprojekt.“

Beispiel Rheinfelden: Ein politisch umstrittenes Thema sei das Grünprojekt 2007 gewesen, sagt Ursula Philipps vom Planungs- und Umweltamt. Heute würden selbst Kritiker in der 32 000-Einwohnerstadt an der Schweizer Grenze sagen: „Das hat sich gelohnt.“ Der geheilte Schandfleck war in diesem Fall eine frühere Kiesgrube, in der außer Altlasten nicht viel zu finden war. Daraus ist „Tuttikiesi“ geworden, eine große Grünfläche, auf der eine Stiftung Nachmittagsbetreuung für Schulkinder anbietet, wo Feste, Konzerte und Ferienfreizeiten stattfinden. Ein Jugendhaus soll dazu kommen. Weitere Grünanlagen wurden aufgewertet. Vor allem der Rheinuferweg bis hinüber in die Schweiz sei heute beliebt, so Philipps. Den Schwung wolle die Stadt mitnehmen. Es wurde ein Runder Tisch Stadtgrün eingerichtet, an dem Experten nach weiteren Ideen suchen. Als Resultat beteiligt sich Rheinfelden nun am Wettbewerb „Entente Florale“. Für noch mehr Lebensqualität.