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Mental angeschlagen ist Jaqueline Schellin vom TV Mühlacker (links). In der Klasse bis 48 Kilogramm macht ihr vor allem Nina Hemmer aus Nordrhein-Westfalen Druck.
Jaqueline Schellin vom TV Mühlacker (links) © PZ-Archiv
14.06.2011

Neue Sorgen für Mühlackers Ringerinnen

MÜHLACKER. Der Große Preis von Deutschland ist für Ringerin Jaqueline Schellin vom Turnverein Mühlacker zu einer großen Enttäuschung geworden. Sie bestritt in Dormagen in der Klasse bis 48 Kilogramm nur einen Kampf, in der Kategorie bis 63 Kilogramm war Stefanie Stüber aus Mühlacker aus gesundheitlichen Gründen gar nicht dabei. Neuerdings behindert sie eine Lendenwirbelverletzung.

Im ersten Kampf seit einem Vierteljahr traf Jaqueline Schellin auf jene Gegnerin, der sie im März zum Abschluss der völlig verpatzten deutschen Meisterschaft unterlegen war. Die 21 Jahre alte Senderstädterin konnte die Chance zur Revanche nicht nutzen. Gegen die um zwei Jahre jüngere Jasmin Sefidroudi (TV Eintracht Aachen-Walheim) verlor sie beide Runden mit 0:1. Der erste Durchgang wurde in der Verlängerung über den sogenannten Zwiegriff entschieden. In der zweiten Runde gelang der DM-Zweiten Sefidroudi gegen Ende im Konter ein Punkt.

Junioren-Europameisterin Jaqueline Schellin war nicht automatisch aus dem Wettbewerb, doch die Fachleute rechneten nicht damit, dass sie eine zweite Chance bekommen würde. Dazu hätte die Außenseiterin Jasmin Sefidroudi das Finale erreichen müssen. Tatsächlich wurde sie in der nächsten Runde, dem Viertelfinale, von Julita Omilusik (Czarny Bor) geschultert. Der Klassensieg ging schließlich an Iwona Matkovska aus Polen.

Auch wenn sie in diesem Jahr noch nicht in der Erfolgsspur ist, hat es Jaqueline Schellin nach derzeitigem Stand noch immer in der Hand, zur Weltmeisterschaft im September in Istanbul zu kommen. Da die Klasse bis 48 Kilogramm olympisch ist und die WM die erste Chance bietet, an einen Startplatz für London 2012 zu kommen, kann man darauf wetten, dass der Deutsche Ringer- Bund eine Sportlerin nominiert.

In Frage käme die Nürnbergerin Alexandra Engelhardt, die vor drei Jahren Olympia-Teilnehmerin war. Sie ist aber verletzt. Für die deutsche Meisterin Nina Hemmer, die bei der Europameisterschaft in Dortmund starten durfte, wäre der Weg nach Istanbul sehr weit, da sich die 18-Jährige zuerst bei der Junioren-EM und gegebenenfalls bei der WM für den Nachwuchs behaupten muss. Beim Großen Preis war sie nicht am Start. Jasmin Sefidroudi müsste Glück haben und Außergewöhnliches vollbringen, um von Bundestrainer Jörg Helmdach den Zuschlag für die WM zu erhalten.

Zumindest Rainer Kamm, Trainer am Olympiastützpunkt in Schifferstadt, meint, dass Jaqueline Schellin, im Vorjahr nationale Meisterin, die beste der jungen Deutschen ist. Zur Vorstellung in Dormagen sagt er: „Unterm Strich hat sie ganz einfach schlecht gerungen.“ Woran es lag, weiß er nicht, wohl aber, dass das Problem im Kopf zu suchen ist. „Verschlossen, fahl und mit einem versteinerten Blick“, sei die Senderstädterin auf die Matte gekommen. „Sie macht sich zu viele Gedanken“, sagt Trainer Kamm.

Dass sein Schützling eine solche Phase durchlebt findet er nicht grundsätzlich besorgniserregend, es komme nur darauf an, wieder aus dem Loch herauszukommen. Jaqueline Schellin ist seiner Einschätzung nach keine, der harte Worte gut tun: „Sie spricht eher auf Lob an.“ Positiv war die Trainingsleistung, deshalb waren die Erwartungen für den Wettkampf hoch. Da die Ringer-Asse mit Mentaltrainer Gregor Kuhn aus Gießen arbeiten, ist Kamm dennoch zuversichtlich.

„Es ist auch ein Kopfproblem“, sagt sogar Hardy Stüber, der Vater der 21-Jährigen. Mit Trainer Kamm ist er sich dahingehend einig, dass der Bundestrainer den richtigen Plan hat. Jaqueline Schellin soll demnächst zu einem Turnier nach Madrid und weiter nach Polen fahren. Diese Veranstaltungen könnten auch für die zweite Senderstädterin, für Stefanie Stüber, die Europameisterin von 2007, die nächsten Gelegenheiten sein, Siege zu holen.