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Revierförster Martin Schickle im Ölbronn-Dürrner Forst.
Revierförster Martin Schickle im Ölbronn-Dürrner Forst. © Schott
22.07.2011

Ölbronn-Dürrn als "Hauptstadt der alten Eichen"

ÖLBRONN-DÜRRN. Beinahe 50 Prozent der Waldfläche Ölbronn-Dürrns besteht aus Eichen. Die meisten davon sind mehr als 150 Jahre alt. Aus diesem Grund wurde in der vergangenen Sitzung des Gemeinderats beschlossen, in Zukunft ein Hauptaugenmerk auf die Verjüngung des Waldes zu legen.

Unser Wald ist bei Förster Martin Schickle in guten Händen“, stellt Ölbronn-Dürrns Bürgermeister Norbert Holme fest. Schickle betreibe eine umsichtige Waldwirtschaft, bei der nur so viel an Holz herausgeholt werde, wie auch nachwächst. Der Holzeinschlag seit dem Jahr 2003 lag exakt im Plan: Rund 13 200 Festmeter wurden geschlagen. Dabei werde jedoch nicht schematisch vorgegangen, sondern flexibel auf die Situation am Holzmarkt reagiert, lobte Holme. So habe man 2005, als der Preis im Keller war, nur wenig Holz geschlagen und dafür in guten Jahren am Markt den Einschlag erhöht.

Anlass für den Gemeinderat, sich intensiv mit dem Wald zu beschäftigen, war die neue „Forsteinrichtung“ bis zum Jahr 2020. Dieser Zehnjahresplan für den Ölbronn-Dürrner Wald wurde vom leitenden Forstdirektor Paul Hepperle und von Oberforstrat Richard Koch von der zuständigen Forstdirektion des Regierungspräsidiums Freiburg vorgestellt.

Ölbronn-Dürrn verfügt heute über 324,8 Hektar Wald, der einen hohen Grad an Naturnähe aufweist. Nur 15 Prozent der Fläche entfallen dabei auf Nadelbäume, knapp die Hälfte davon auf Kiefern.

Dominant im Ölbronn-Dürrner Wald sind die Laubbäume, allen voran die Eiche, die 46 Prozent der gesamten Waldfläche einnimmt. Es folgt die Rotbuche mit 24 Prozent und mit weitem Abstand Eschen (sechs Prozent) und Hainbuchen (fünf Prozent). „Wenn man den Titel „Hauptstadt der alten Eichen“ vergeben würde, wäre Ölbronn-Dürrn der erste Anwärter“, erklärte Richard Koch. Denn viele sehr alte Bäume finden sich im Eichen-Altholzbestand, der ein Durchschnittsalter von 180 Jahren aufweist. Eichen sollen aus Gründen von Standort, Forstwirtschaft, Klima und Ökologie auch weiterhin die führende Baumart in Ölbronn-Dürrn bleiben. „Jüngere Eichenbestände fehlen allerdings weitgehend, so dass die Verjüngung auf Eichenbäume intensiviert werden sollte“, so Paul Hepperle. Das ist nicht ganz einfach, denn: „Diese Bestände sind aus einem ehemaligen Mittelwald hervorgegangen, der sowohl der Nutzholz- wie der Brennholzgewinnung gedient hatte, und sind sehr unterschiedlich stark gewachsen, so dass hiebreife und schwächere Exemplare innig gemischt stehen“, erläutern die Forstexperten.

Ziel sollte es daher sein, die hiebreifen Stämme zu nutzen, bevor sie entwerten, und die schwächeren stark werden zu lassen.“ Gleichzeitig sollte jedoch die Fläche für eine natürliche Verjüngung aus Samen so groß sein, dass dem erheblichen Lichtbedürfnis der jungen Eichen Rechnung getragen wird.

Ob sich dies bei der für die nächsten zehn Jahre vorgesehenen Menge an zu erntendem Holz erreichen lässt, müsse bei der Zwischenrevision zur Halbzeit des Zehnjahresplanes geprüft werden. Die geplante Erntemenge, der „Hiebsatz“, wird im neuen Forstplan von 1 600 Festmeter auf 1 800 Festmeter jährlich erhöht. Dies sei angesichts des Altersaufbaus des Ölbronn-Dürrner Waldes mit überdurchschnittlich vielen Bäumen, die über 140 Jahre alt sind und unterdurchschnittlich vielen in der Altersspanne zwischen 80 und 140 Jahren, ein vorsichtiger Hiebsatz, der Spielraum nach oben lasse.

Während die alten Buchen jedoch sehr leicht Gefahr laufen, durch Holzverfärbungen oder Schädlingsbefall an Wert zu verlieren, sind die alten Eichen deutlich robuster. Sie könnten sich in den nächsten Jahrzehnten für Ölbronn-Dürrn nicht nur ökologisch, sondern auch finanziell als äußerst wertvoll erweisen. „Ich rechne damit, dass Eichenholz in den kommenden 30 bis 40 Jahren knapp werden und entsprechend höhere Preise erzielen wird“, sagte Revierförster Martin Schickle.

Neben dem Zehnjahresplan billigte der Gemeinderat auch die laufenden Forstwirtschaftspläne. 2010 wurde im Wald ein Plus von 2 100 Euro erzielt. Im Jahr 2011 ist nach derzeitigem Stand mindestens eine schwarze Null zu erwarten. msch