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19.08.2009

PZ-Sommeraktion beim Weingut Häußermann in Diefenbach

STERNENFELS-DIEFENBACH. Dass auch Weintrauben bei diesen Temperaturen einen Sonnenbrand bekommen können, haben die Teilnehmer der PZ-Sommeraktion am Mittwoch beim Weingut Häußermann in Diefenbach erfahren.

„Die hier sind gebrannt“, sagt Werner Häußermann im Winzer-Jargon. Der Senior-Chef des Weinbetriebs zeigt der großen Wandergruppe in der gleißenden Sonne einige Weintrauben. „Die sehen so schrumplig aus, wie wir, wenn wir ohne Sonnenmilch zu lange in der Sonne braten.“

Glücklicherweise weht ein leichter Wind durch die Rebstöcke in Diefenbach. „Durch diesen Luftzug fällt die Arbeit im Weinberg auch im Sommer nicht so schwer“, weiß Häußermann. Immer wieder bleibt er stehen und zeigt den neugierigen PZ-Lesern kleine Details zu Weinanbau und damit einhergehenden Schwierigkeiten. Zur Bekämpfung von Schädlingen beispielsweise, benutzen die Winzer kleine Ampullen, die sie an den Rebstöcken anbringen. „Die versprühen Duftstoffe, wie sie die weiblichen Falter des Traubenwicklers an sich haben“, weiß Häußermann.

„Die Männchen beginnen zu spinnen, weil sie die Weibchen nicht mehr finden.“ So schränke man die Vermehrung des Schädlings ein, der ähnlich eines Wurms in der Zwetschge, die Trauben befalle. Aber auch mit Pilzarten, wie dem falschen Mehltau, der sogenannten Pernospora, haben die „Wengerter vom König“ zu kämpfen. Die Winzer nennen sich nach der Hanglage namens König.

An der Steinskulptur, dem Diefenbacchus, wartet Wengerter Christian Häußermann auf die PZ-Leser. Mit einem eisgekühlten Perlwein. Während sich viele der Wanderer zwischen den Reben im Schatten aufhalten, probiert Ellen Ganzhorn aus Neuenbürg eine der reifen Trauben, die an dem Rastplatz wachsen. Ihr Mann Rolf lehnt dankend ab: „Im Glas schmecken mir die besser.“ Und zurück im Weingut geht es dann auch endlich in den Weinkeller hinunter. Dort sind es nicht nur gefühlte 15 Grad kälter, es gibt auch einige köstliche Tropfen zu probieren. Zunächst das Weißweincuvée mit dem Namen „Sommerwind“. In der Kelterhalle erfahren die Weinfreunde, dass eine rote Weintraube gewöhnlich nicht für den roten Farbstoff im Rebensaft sorgt. Der sei beim Pressen zunächst fast farblos. Erst durch den Gärvorgang entwickelt sich der rote Farbstoff.

Qualität darf nicht verloren gehen

Aus dem Gärkessel fallen die Trauben direkt in die Presse. Die Qualität eines Weines hängt nach Häußermann von der Ernte ab. „Wir können im Keller nicht mit irgendwelchen Tricks arbeiten“, sagt der Wengerter. Einzige Möglichkeit, dem Wein einen volleren Geschmack zu geben, bietet das Reifen im Eichenfass. Im kühlen Holzfasskeller reicht Häußermann einen Weißherbst. Dann geht es hinaus zu einem Vesper.

Und während die PZ-Leser im Schatten sitzen, manch einer mit geröteter Haut, reifen die Trauben in den Weinbergen in der Sonne. Bleibt zu hoffen, dass sie nicht verbrennen.