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Nach der ICE-Panne im Pulverdinger Tunnel bei Vaihingen ist die Bahn ins

 Visier der Bundespolizei und des Eisenbahnbundesamtes geraten.
Polizei untersucht ICE-Panne © privat
23.08.2010

Polizei untersucht ICE-Panne

STUTTGART/VAIHINGEN. Nach der ICE-Panne im Pulverdinger Tunnel bei Vaihingen ist die Bahn ins Visier der Bundespolizei und des Eisenbahnbundesamtes geraten. „Wir konzentrieren unsere Untersuchungen auf das Notfallmanagement der Bahn“, sagte ein Sprecher des Eisenbahnbundesamtes. Insbesondere solle geklärt werden, warum der Zug in einem Tunnel zum Stehen kam und wie die Bahn darauf reagierte.  

Am Sonntag war ein ICE mit 420 Fahrgästen an Bord zur Mittagszeit im Pulverdinger Tunnel bei Vaihingen steckengeblieben (die PZ berichtete). Ein Abschleppversuch scheiterte. Die Gäste mussten stundenlang bei ausgefallener Klimaanlage ausharren. Mehrere bekamen Kreislaufprobleme, eine Frau war am Montag immer noch im Krankenhaus.

Die Unfalluntersuchungsstelle geht davon aus, dass das technische Problem am Stromabnehmer im Triebfahrzeug auftrat. Dieser leitet den Strom von der Oberleitung in den Zug. Die Bahn befragt zurzeit ihre beteiligten Mitarbeiter zu dem Vorfall. „Außerdem wird den Fahrgästen der Fahrpreis zu 100 Prozent zurückerstattet“, sagte eine Bahn-Sprecherin in Berlin. Reisende, die in ärztlicher Behandlung waren, erhalten je 500 Euro Schadenersatz.Hans-Hermann Kefer, Kommandant der für den Tunnel zuständigen Feuerwehr Markgröningen, war am Sonntag von der Leitstelle in Ludwigsburg kurz vor 16 Uhr informiert worden. Kefer bemängelte im Gespräch mit der PZ die Informationspolitik der Bahn. „Es gab keine Kommunikation vom Zug nach draußen“, sagte der Feuerwehr-Kommandant. Bei seinem Eintreffen seien Rettungdienst, Bundespolizei und ein Notfallmanager der Bahn vor Ort gewesen. Zwei Gleise führen durch den Tunnel der laut Kefer über anderthalb Kilometer lang ist. Entlang der Tunnelwände verlaufen Gehwege.

Dreieinhalb Stunden nach der Panne wurden die Passagiere in einem Ersatz-ICE nach Stuttgart gebracht, da es nicht gelungen war, den Zug von einer Lok abschleppen zu lassen. Die Passagiere waren im Tunnel in den Ersatzzug umgestiegen. Der fahruntüchtige ICE steht inzwischen im Abstellbahnhof in Stuttgart-Untertürkheim. Die Bundespolizei untersucht nach eigenen Angaben, ob die Bahn oder ihre Mitarbeiter sich falsch verhalten haben. Das glaubt der Fahrgastverband Pro Bahn. Sein Vorsitzender in Baden-Württemberg, Stefan Buhl, hält die Bahn in kritischen Situationen für überfordert. „Die Sicherheitskonzepte der Bahn sind offensichtlich untauglich. Wenn schon ein solch banaler Vorfall so schwerwiegende Folgen hat, wollen wir uns gar nicht vorstellen, was bei einem Fahrzeugbrand passieren wird“, sagte Buhl. „Die Sicherheitskonzepte der Bahn müssen auf den Prüfstand. Man muss überprüfen, inwieweit sie theoretisch und praktisch sinnvoll und ausreichend sind.“Defekte Klimaanlagen hatten die Bahn in diesem Sommer bereits mehrmals in die Bredouille gebracht: Rund 50 Zugverbindungen waren von dieser Störung betroffen.