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Zahlreiche Bürger haben kürzlich ihren Unmut über die mögliche Ansiedlung von Gewerbe auf den „Welschen Wiesen“ im Eckenweiher geäußert. 

Protest gegen mögliche Gewerbeansiedlungen in Mühlacker

Mühlacker. Im beschaulichen Wohngebiet „Eckenweiher“ in Mühlackers Nordosten rumort‘s gewaltig: Seit bekannt wurde, dass die Stadt die so genannte Waidelich-Wiese zwischen dem Wallfahrtsweg und der Osttangente für mögliche Gewerbeansiedlungen erworben hat, sind die Bewohner der Siedlung in heller Aufregung und befürchten, zum „Bauernopfer“ auf der Suche nach neuen Gewerbeflächen zu werden.

Am Samstag folgten knapp 100 Bewohner des Eckenweiher dem Aufruf eines Initiativkreises um Benjamin Winterstein und Christian Kohler, um ein erstes Signal des Protestes gegen städtische Überlegungen zur gewerblichen Nutzung der rund vier Hektar großen Fläche (Wiese samt dem zu Mahle hin gelegenen Waldstreifen) zu setzen. „Klammheimlich“, so der Vorwurf einiger, habe sich die Stadt im Osten des Eckenweihers auf Einkaufstour begeben, um eine Gewerbefläche entwickeln zu können. Vor diesem Hintergrund sei man verärgert bis geschockt, dass überhaupt daran gedacht werde, den Eckenweiher mit einem weiteren Gewerbegebiet endgültig zu umkreisen, so Winterstein. „Da entsteht ein Gefühl der Hilflosigkeit, das nur schwer zu beherrschen ist.“ Die Protestler von heute berufen sich auf Versprechungen der Verwaltung und des Gemeinderats aus dem Jahr 1978, wonach zwischen Behr/Mahle und Osttangente/Eckenweiher keine weiteren Industrie- und Gewerbeflächen mehr vorgesehen seien. Bürgermeister Winfried Abicht bestätigte der PZ Ende vergangener Woche, dass die Fläche zur Standortsicherung von Mahle seit Anfang der 2000er Jahre wieder „intensiv diskutiert“ werde. Mittlerweile gehöre die Wiese südlich des Waldstreifens beim Mahle-Parkplatz der Stadt, wobei planerisch nichts festgezurrt sei. Der Flächennutzungsplan lasse es aber zu, auf diesem Areal einen Bebauungsplan für gewerbliche und/oder Industrie-Nutzung zu entwickeln.

„Dies zeigt, wie intransparent nicht nur die große Politik, sondern ebenso die Kommunalpolitik in Mühlacker agiert“, erklärte Christian Kohler, der im weiteren Verlauf des Termins noch deutlich mehr an Polemik zulegte. Sein Protest und der auch weiterer Bürger hagelte auf Stadtrat Rolf Leo (FW) ein, der sich nach eigenem Bekunden „interessehalber“ zu dem Termin begeben habe, nachdem er „über Umwege“ davon erfahren habe. Eingeladen waren Vertreter der Kommunalpolitik oder auch der Stadt jedenfalls nicht, gleichwohl habe Leo der Stadtverwaltung angeraten, wie er sagte, einen Vertreter zu diesem Termin zu entsenden.

So blieben die Protestler unter sich – und Stadtrat Leo, der sich um Versachlichung bemühte, hatte keinen leichten Stand. Er erinnerte daran, als vor vier Jahrzehnten bereits ein damaliges Urgestein des Gemeinderats, Bernhard Braun, gegen eine Verkehrsanbindung des Wohngebiets an die damals neue Osttangente gewettert habe, „dann geht mein Eckenweiher auf die Barrikaden“, habe er gesagt. Und heute sei’s offenbar nicht anders, so Leo.

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