nach oben
Die Flüchtlingsunterkunft in Wiernsheim ist im Juni dieses Jahres das Ziel eines Anschlags geworden. Nun startete der Prozess. Foto: PZ-Archiv
Die Flüchtlingsunterkunft in Wiernsheim ist im Juni dieses Jahres das Ziel eines Anschlags geworden. Nun startete der Prozess. Foto: PZ-Archiv
Die angekokelten Rollläden kündeten von der Tat des 24-Jährigen. Foto: PZ-Archiv
Die angekokelten Rollläden kündeten von der Tat des 24-Jährigen. Foto: PZ-Archiv
07.12.2018

Prozess wegen Brandstiftung: Ursprüngliches Ziel war die Grundschule

Karlsruhe/Wiernsheim. „Ich wollte niemanden töten“, legte der Angeklagte zu Beginn des Prozesses dar. Zu verantworten hatte sich ein 24-jähriger Franzose vor dem Landgericht in Karlsruhe. Ihm wird zur Last gelegt, am 19. Juni dieses Jahres gegen 9 Uhr auf das Gelände einer Asylbewerberunterkunft in Wiernsheim eingedrungen zu sein und dort an mehreren Stellen Brände gelegt zu haben.

Zwar entstand außer abgebrannten Kleiderständern und angeschmorten Rollläden glücklicherweise kein größerer Schaden. Doch die Anklagevertreter machten deutlich, dass dies lediglich Zufällen zu verdanken sei.

Staatsanwalt Marius Walz machte deutlich, dass der 24-jährige aus niedrigen Beweggründen den Tod der Bewohner billigend in Kauf genommen habe. Zum Tatzeitpunkt waren zwölf Bewohner vor Ort. Nach der Tat hat der Angeklagte das Gelände verlassen und wurde dabei von Bewohnern der Unterkunft verfolgt, überwältigt und bis zum Eintreffen der Polizei auf einen Stuhl gesetzt. Die Zeugen gaben an, dass der Angeklagte keinerlei Gegenwehr geleistet hat und verängstigend gewirkt hat.

Der Angeklagte beteuerte nun vor Gericht, dass seine Tat keinen politischen Hintergrund hatte und er nichts gegen Ausländer habe. Wenige Tage vor der Tat hatte der Verdächtige eine Wasserpistole in einem Supermarkt in Mühlacker gekauft, die er mit brennbarer Flüssigkeit lud und eine Vorrichtung baute, mit der der Brennstoff entflammt werden konnte. Eine ähnliche Konstruktion soll er bereits in der Vergangenheit getestet haben.

Am Tattag fuhr der Mann zunächst von Lomersheim über Mühlacker nach Wiernsheim. Auf einer nahegelegenen Bank im Wald bereitete er seinen Anschlag vor. Ursprüngliches Ziel des 24-jährigen war die Grundschule in Wiernsheim. Weshalb er letztlich die Asylbewerberunterkunft betrat, blieb unklar. Als Motiv nannte er die Absicht, von der Polizei erschossen zu werden und zu sterben. Während der Angeklagte zu Beginn der Verhandlung zurückhaltend wirkte, offenbarte er diese Absicht während der Verhandlung mehrfach. Dabei stellte er klar, dass es nicht sein Anliegen war, zu töten. Zugleich machte er deutlich, dass er nicht in die Welt passe.

„Die moderne Welt mit der angepassten und stromlinienförmigen Gesellschaft ist nicht meine“, so der 24-Jährige.

Mehr lesen Sie am 8. Dezember in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.