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Seit Anfang 2018 braut der jüngst verabschiedete Rektor der kaufmännischen Georg-Kerschensteiner-Schule, Rainer Schork, sein Bier in Maulbronn selbst. Foto: Prokoph
Seit Anfang 2018 braut der jüngst verabschiedete Rektor der kaufmännischen Georg-Kerschensteiner-Schule, Rainer Schork, sein Bier in Maulbronn selbst. Foto: Prokoph
12.08.2018

Rainer Schork aus Maulbronn braut sein eigenes Bier

Maulbronn. Man muss kein Chemielehrer sein, um sein Bier selbst zu brauen. Aber es schadet auch nichts. Das weiß Rainer Schork, denn seit Anfang des Jahres braut der jüngst in den Ruhestand verabschiedete Rektor der Kerschensteiner-Berufsschule in Mühlacker sein Bier selbst. Das wurde bei seiner Verabschiedung bekannt, weil er von seinen Kollegen so manches Zubehör für die Kunst des Bierbrauens als Abschiedsgeschenk erhielt.

Entspannt sitzt Ruheständler Schork im Garten seines schmucken Maulbronner Einfamilienhauses und berichtet, wie man zuhause Bier braut und er zum Brauer wurde. Als Ausrüstung hat er vor sich einen großen elektrischen Einmachkochtopf stehen und einen kleineren Gäreimer aus Plastik. Darin kann er zehn Liter Bier brauen. Als Zutaten kommen Wasser, Malz, Hopfen und Hefe dazu. Und jede Menge Zeit, denn Schork nimmt sich für das eigene Bier bei jedem Brauvorgang neun bis zehn Stunden Zeit. Am Stück. Denn weglaufen oder dazwischen etwas anderes zu erledigen geht nicht.

Im Januar hat der gebürtige Heidelberger mit seinem Sohn Simon einen Bierbrauerkurs in Schwetzingen besucht. Seither hat der im Juli frisch gebackene Opa 35 Liter in vier Sorten gebraut, einmal „eine Art Weizen“, wie es Schork ausdrückt, einmal Red Irish Starkbier und zweimal Kölsch, einmal leicht, einmal stark. Die Rezepte findet er im Internet.

Jedes Detail muss stimmen

Zuerst werden zehn Liter Wasser im Einmachtopf mit geschrotetem Malz bei 40 Grad erhitzt. Dieser Vorgang wird dann jeweils bei 62, 72 und 78 Grad wiederholt. Dazwischen muss aber immer wieder gewartet werden, bis der Sud abgekühlt ist, bevor er wieder erwärmt wird. Bei 78 Grad hat der Wirkstoff Amylase, vereinfacht ausgedrückt, aus Stärke Zucker gemacht. Zwischen den einzelnen Durchgängen wird der Sud immer wieder abgelassen, die Töpfe werden gereinigt und dann wird das Ganze wieder erhitzt. Und damit nichts anbrennt, muss Schork daneben stehen bleiben und umrühren. Der Restsud wird dann auf 100 Grad erhitzt und dann kommt der Hopfen dazu, muss 1,5 Stunden kochen und zwei Stunden abkühlen. Und erst nach etwa sechs Stunden Köchelei kommt die Hefe dazu. Dann wird das Ganze gesiebt und bleibt eine Woche lang im luftdichten Topf stehen, damit sich Alkohol bilden kann. Schließlich wird die Flüssigkeit in Flaschen abgefüllt, in denen Zucker ist, damit das Bier gären kann. Zwei bis drei Wochen lagern die Flaschen im Kühlschrank im Keller, bis der erste Schluck genommen werden kann.

„Das Bier schmeckt jedes Mal anders, aber gut“, sagt Schork. Deshalb ist dem 65-jährigen der Brauvorgang auch nicht zu zeitaufwendig. Die Unterschiede im Geschmack ergeben sich aus den Zutaten, also welche Malz-, Hopfen oder Hefesorte man verwendet, erklärt er. Schorks Nachbar hat ihm schon eine positive Rückmeldung über den Geschmack seiner Biere gegeben. „Das Erfolgserlebnis ist da, wenn die Biere wirklich genial schmecken“, sagt Schork. Sein Bier schmecke ihm, weil es naturtrüb sei, auf alle Fälle besser als gekauftes. Auf seiner Agenda steht demnächst, Pils zu brauen. „Das ist eine besondere Herausforderung“, sagt Schork. Denn die Hefe beim Pils gäre nur bei zehn Grad. Das wird für ihn dann noch eine logistische Aufgabe, die er lösen muss. Und deshalb ist es ja auch nicht wirklich schlecht, wenn man als Bierbrauer auch noch Chemielehrer ist.