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12.05.2017

Rückspiegel: Klare Worte wagen

Ich war schon immer ein Freund klarer Ansagen. Ewiges Herumgeeiere bringt in der Regel nicht viel, im Zweifel fühlen sich die Leute nur verschaukelt. Aber gerade bei offiziellen Anlässen achten die Akteure ja oftmals peinlich genau auf political correctness, es ist zum Verzweifeln.

Einen besonderen Moment konnten die Beobachter allerdings in dieser Woche im Maulbronner Wald erleben, als der Förster Benedikt Trefzer im Rahmen des Revierbegangs mit Maulbronner Gemeinderäten auf die Frage, ob man denn in der Forstwirtschaft nicht lieber Pferde statt schwerer Maschinen einsetzen könne, antwortete: „Wenn ein Pferd einen wirklich dicken Baum aus dem Wald ziehen muss, können sie das Tier am Abend erschießen.“

Was folgte, war großes Gelächter in der Runde – und mit den Händen zu greifende Erleichterung, dass da offensichtlich jemand ist, der zur Abwechslung einmal nicht um den heißen Brei herumredet. Denn mit Trefzers Aussage war der Fall erledigt. Hätte er sich in einer der üblichen Floskeln verloren, wäre man womöglich einmal mehr nicht um eine jener Debatten herumgekommen, von denen die Experten bereits im Vorfeld wissen, dass sie zu nichts führen. Aber es traut sich halt oft keiner, entsprechend klare Kante zu zeigen.

Dabei ist man in Maulbronn in der Regel an deutliche Worte gewöhnt: Bürgermeister Andreas Felchle ist einer jener Rathauschefs in der Region, die es durchaus beherrschen, allzu abstruse Debatten auch einmal mit ein, zwei markanten Sätzen zu beenden. Erst vor wenigen Wochen hat er in einem Beitrag deutlich gemacht, dass die Gesellschaft leider drohe zu verblöden.

Das wirksamste Mittel dagegen ist es, den Leuten reinen Wein einzuschenken und womöglich auch unangenehme Wahrheiten offen und ehrlich anzusprechen.

Es müssten sich in Zukunft nur mehr Leute trauen, dies auch zu tun.