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Haben den neuen Audio-Guide des Faustmuseums vorgestellt: Die Leiterin des Knittlinger Faustmuseums/Faustarchivs, Denise Roth (von links), Schauspieler Florian Fitz und Bürgermeister Heinz-Peter Hopp. Foto: Prokoph
Haben den neuen Audio-Guide des Faustmuseums vorgestellt: Die Leiterin des Knittlinger Faustmuseums/Faustarchivs, Denise Roth (von links), Schauspieler Florian Fitz und Bürgermeister Heinz-Peter Hopp. Foto: Prokoph
In seinem Element: Florian Fitz interpretiert den „Faust“ am Mikrofon. Foto: Prokoph
In seinem Element: Florian Fitz interpretiert den „Faust“ am Mikrofon. Foto: Prokoph
16.07.2017

Schauspieler Florian Fitz hat für Knittlinger Museum Audio-Guide besprochen

Knittlingen. In echt ist der Berliner Schauspieler Florian Fitz kleiner und schlanker, als man ihn vor dem Bildschirm in seinen Fernsehrollen, wie im „Tatort“, dem „Traumschiff“ oder den „Rosenheim Cops“ erlebt. Aber der Adolf-Grimme-Preisträger ist in der Realität genauso herzlich, offen, charmant und angenehm, wie man ihn aus dem TV kennt. Live hat der 49-Jährige nun am Samstagabend rund 100 Besucher im Knittlinger Steinhaus, darunter auch Bürgermeister Heinz-Peter Hopp und einige Stadträte, von der großen Bandbreite seiner Stimme überzeugt.

Denn im vergangenen September hat Florian Fitz zusammen mit der Leiterin des Knittlinger Faust-Museums/Faust-Archiv in Berlin den neuen Audio-Guide des Faustmuseums in einem professionellen Tonstudio aufgenommen.

Fitz mit tiefer, sonorer Stimme

„Die Aufnahmen sind exzellent geraten, für uns ist das heute eine Premiere“, sagte Bürgermeister Hopp über das Werk, das am Samstagabend zum einen vorgespielt wurde und aus dem zum anderen der bekannte Schauspieler Teile vorgelesen hat. „Ich freue mich, dass Florian Fitz nun für die nächsten zehn bis 20 Jahre bei uns zu hören ist“, sagte Denise Roth begeistert. Durch Zufall sei sie bei einer Fernsehsendung auf seine tiefe und sonore Stimme aufmerksam geworden. Und selbst das Gretchen hat er neben dem Knittlinger Georg Johannes Faust und Mephisto eingesprochen. Da muss man dem Mimen wirklich ein besonderes Kompliment machen. Denn im Gegensatz zu Faust und Mephisto verleiht er dem Gretchen keine höhere Stimme, sondern spricht ihren Part nur sehr zart und weich.

Und wie im Flug vergeht die Zeit, in der Florian Fitz Hintergründe zu Goethes Faust und seinen Figuren gibt. Die Texte stammen von Denise Roth. Und man sieht vor dem geistigen Auge das überwiegend abgebrannte Knittlingen im Jahr 1692 und die Waldenser, die 1699 nach Klein- und Großvillars kamen. Lebhaft kann sich der Zuhörer den Dialog zwischen Faust und Mephisto vorstellen, in dem es um eine Wette geht, die Goethe einst so formulierte: „Da steh ich hier, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor“. Auf der einen Seite der lebensmüde Wissenschaftler Faust, und auf der anderen Seite der menschenverachtende Mephisto in Goethes Werk, in dem es darum geht, was die Welt im Innersten zusammenhält. Und schließlich das Gretchen, das Goethe einst einer realen Figur nachempfunden hat, die in Frankfurt als Kindsmörderin enthauptet wurde. Mit dem Fazit: Goethes Gretchen hat Faust wirklich geliebt und wurde deshalb im Werk unwissentlich zur Mörderin ihrer Mutter, weil sie mit Faust eine Nacht verbringen wollte.

Gekrönt wird der Vortrag im ersten Teil mit Goethes Satz, den er Faust gab: „Ich bin ihr nah und doch so fern“. Und man konnte sich förmlich vorstellen, wie sich der Schauspieler Florian Fitz beim nachmittäglichen Rundgang durch Knittlingen innerlich auf seinen Auftritt vorbereitet hatte.

„Knittlingen ist sehr heimelig, mit seinen alten Fachwerkhäusern“, berichtete der Star im PZ-Gespräch. Für ihn war es der erste Audio-Guide, den er besprochen hat. Und am Sonntag ging es dann wieder weiter zu Dreharbeiten für die Arztserie „Bettys Diagnose“. Nach der Pause im Steinhaus las Florian Fitz auch noch verschiedene andere Texte, wie von Tucholsky, Heine und Shakespeare, bevor er im Faust-Museum schließlich noch Autogramme gab.