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Ein sogenannte Stroke Unit, wie hier im Asklepios Klinik in Hamburg-Altona, gibt es auch am Helios Klinikum Pforzheim. Deshalb werden die Schlaganfall-Patienten aus der Umgebung dort behandelt.
Ein sogenannte Stroke Unit, wie hier im Asklepios Klinik in Hamburg-Altona, gibt es auch am Helios Klinikum Pforzheim. Deshalb werden die Schlaganfall-Patienten aus der Umgebung dort behandelt.
29.10.2017

Schlagartig hilflos: Weltschlaganfalltag wird am 29. Oktober begangen

Von einer Sekunde auf die andere verändert sich das Leben wortwörtlich schlagartig. Wer eben noch selbstständig war, muss sich nun mühsam in den Alltag zurückkämpfen.

Annähernd 270 000 Menschen erleiden jährlich in Deutschland einen Schlaganfall – im Enzkreis waren es in diesem Jahr bisher schon 927. Überwiegend sind ältere Menschen betroffen. Einer von ihnen ist Joachim Herzog aus Mühlacker.

Krankheit akzeptieren

Im März 1996 erlitt der damals 65-Jährige seinen ersten Schlaganfall. Im März dieses Jahres, mit 86 Jahren, folgte ein Zweiter. Auch er hat erlebt, wie schwer es ist, die Krankheit zu akzeptieren. Eben noch stand er mit beiden Beinen im Leben, war erfolgreich – und plötzlich musste er wieder laufen und Autfahren lernen. „Zum Glück konnte ich aber immer noch sprechen“, sagt er. Als Reaktion auf die dramatische Veränderung – aber auch als Folge der Hirnverletzung – erkranken ein Drittel der Patienten zudem an einer Depression. Aber Herzog hat gekämpft. „Ich konnte nach meinem Schlaganfall noch sieben Jahre arbeiten“, erzählt er. Das sei wichtig für gewesen. „Ich war so viel wert, dass mir noch jemand Geld bezahlt hat“, sagt Herzog.

Treffen alle zwei Wochen

Dennoch weiß er nur zu gut, wie groß die Veränderungen für viele Patienten nach einem Schlaganfall sind. Und er weiß auch: Gemeinsam ist der Schicksalsschlag leichter zu bewältigen. Deshalb hat er gemeinsam mit Mitstreitern 1997 die Schlaganfall Selbsthilfegruppe Mühlacker gegründet. Sie trifft sich an jedem zweiten Mittwoch um 18 Uhr, im Consilio in Mühlacker – das nächste Mal am 1. November. Die Gruppe, die in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiern konnte, sucht derzeit nach neuen Mitstreitern, auch aus dem Raum Pforzheim. „Wenn der Schlaganfall schon lange her ist, wird nicht mehr so viel über neue Therapiemöglichkeiten gesprochen. Die Gruppe verflacht irgendwann“, erklärt Herzog, warum er sich über neue Gesichter bei den Treffen freuen würde. Schlaganfall-Patienten bekämen kaum Unterstützung auf dem Weg zurück ins Leben, erklärt er, warum vielen der Besuch der Selbsthilfegruppe guttut. Denn das Personal in den Krankenhäusern habe kaum noch Zeit. „Es fehlt an Zuspruch“, moniert er. Deshalb sieht er auch das Schlaganfallnetzwerk Pforzheim-Enzkreis mit gemischten Gefühlen. Darin haben sich das Helios Klinikum Pforzheim und die Regionale Kliniken Holding im Juni 2015 zusammen getan. Seitdem erfolgt die Akuttherapie innerhalb der ersten 72 Stunden im Helios Klinikum Pforzheim. Komplexere Fälle werden im Klinikum Ludwigsburg behandelt, wo man sich auf neurochirurgische und neuroradiologische Eingriffe spezialisiert hat. Nach Abschluss dieser ersten Behandlungsphase werden die älteren Patienten zur heimatnahen Weiterversorgung in das Krankenhaus Mühlacker verlegt.

Weite Wege für Besucher

Für die Kliniken hat das auch wirtschaftliche Gründe. Durch die Kooperation wird eine bestmögliche Versorgung gesichert, die jedes Krankenhaus für sich genommen nicht hätte stemmen können, erklärten die Ärzte Dr. Stefan Pfeiffer (Mühlacker, Prof. Dr. Rainhard Kaiser (Pforzheim) sowie Martin Schabet (Ludwigsburg) kürzlich bei einem Pressetermin. Herzog sieht aber auch die Nachteile: „Die Angehörigen möchten in so einer Ausnahmesituation am Bett sitzen und die Hand des Patienten halten“, erklärt er. Bis nach Pforzheim oder Ludwigsburg sei der Weg für ältere Menschen aber viel zu weit, beklagt er.