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Für den Schnee bereit ist dieses 1,25 Millionen teure Fahrzeug mit Fräse.
Für den Schnee bereit ist dieses 1,25 Millionen teure Fahrzeug mit Fräse. © Kohler
07.12.2012

Schneeräumfahrzeug der Deutschen Bahn startet von Mühlacker aus

Ehe am Freitag Schnee gefallen ist, bekam Bernd Schiel auf dem Bahngelände in Mühlacker eine Einweisung in Sachen Räumdienst. Ihm als altem Hasen brauchte sein Kollege Pascal Kunz nicht viel zu erklären, zumal nur ein Knopfdruck nötig ist, um das wintertauglich gemachte Baustellenfahrzeug auf der Schiene in Gang zu setzen. Die Einstellungen für die Schneefräse vorzunehmen, ist ebenfalls kein großer Akt.

Ein Albtraum wäre es aus Sicht des 41 Jahre alten Kunz nur, zwei Wochen am Stück gefordert zu sein. Angesichts einer 24-Stunden-Bereitschaft und Schichten von zehn Stunden ist es offensichtlich, dass sich die Triebfahrzeugführer, die jeweils zu zweit und hauptsächlich nachts unterwegs sind, im Fall dauerhafter Belastung heftig beansprucht fühlen. Auf etwa 1800 Euro netto bringen es die beiden nach eigener Aussage. Im Winterdienst legen sie fünf Kilometer in der Stunde zurück. Herumzukommen und jeden Tag woanders zu sein, gehört für beide aber zu den Reizen ihrer Arbeit.

Bis nach Schorndorf, Schwäbisch Hall-Hessental oder Lauda fahren die Männer. Wäre der Schneefall gestern ausgeblieben, hätten sie damit gut leben können. „Kalt und trocken“ werde der Winter, sagten sie im Gespräch mit der PZ einhellig. Von dieser Prognose schienen Kunz und Schiel nicht direkt überzeugt zu sein. Offensichtlich war aber, dass das Gastspiel des Winters aus ihrer Sicht gern kurz ausfallen darf.

Einen engeren Bezug zu Mühlacker haben beide nicht. Kunz ist in Lauffen am Neckar zu Hause, sein 54 Jahre alter Kollege stammt aus dem Odenwald. Auch der Dienstsitz der Familienväter ist nicht Mühlacker, hier wird allerdings seit dem vergangenen Jahr, die Fräse deponiert, die „bei lockerem Schnee“ zum Einsatz komme, wie Kunz erläuterte. Ein Besen kann zum Freikehren der Weichen benutzt werden. Auch ein Schneepflug ist vorhanden.

An der Technik sowie an diesen Männern und ihren Kollegen ist es, den Ankündigung ihres Arbeitgebers Taten folgen zu lassen: „Die Deutsche Bahn hat sich personell, technisch und organisatorisch intensiv auf den Winter vorbereitet“, teilte das Unternehmen in einer Pressemitteilung mit. Die Schneeräumflotte sei auf 60 Fahrzeuge aufgestockt worden. Neue Abtauanlagen sollen Zugausfälle und Verspätungen, wie sie zum Beispiel während des harten deutschen Winters vor zwei Jahren oft vorkamen, verhindern. „Für die Beseitigung von Schnee und Eis auf Bahnhöfen wurden erweiterte Verträge mit Dienstleistern geschlossen“, meldet die Deutsche Bahn zudem. Da will sich der Karlsruher Verkehrsverbund auch nicht lumpen lassen. „Bahnen und Busse sind gut für den Wintereinbruch gerüstet“, versprach eine am Freitag versandte Mitteilung. Damit die gelben Stadtbahnen freie Fahrt haben, bringen auch die Karlsruher mehrere Räumfahrzeuge auf die Schiene.