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Verbündet statt aneinander vorbei: Stephan Fegert (links) und Sayin Yaya spielen gemeinsam in der A-Jugend der Sportfreunde Mühlacker Fußball.
Verbündet statt aneinander vorbei: Stephan Fegert (links) und Sayin Yaya spielen gemeinsam in der A-Jugend der Sportfreunde Mühlacker Fußball. © Kohler
09.06.2010

Spielend das Miteinander stärken

MÜHLACKER. Ein Gefühl der Zusammengehörigkeit kann über den Sport entstehen. Auf Plätzen und in Hallen spielen Deutsche und Migranten „Doppelpass“. Dem Thema Integration widmet die PZ eine neue Serie.

Wenn vom morgigen Freitag an 32 Nationen um die Fußball-Weltmeisterschaft spielen, wird wieder für jeden greifbar, welche Faszination der Sport über Kulturen und Kontinente hinweg auf die Menschen ausübt. Sport ist der Motor für Integration, wie schon der Blick auf den Kader der deutschen Mannschaft zeigt. Rund ein Drittel der Spieler haben, was politisch korrekt als „Migrationshintergrund“ bezeichnet wird. Im Sinne eines harmonischen Zusammenlebens ist es wichtig, dass Integration auch an der Basis gelingt. Deshalb startet die PZ nun die Serie „Doppelpass“.

Die Gelegenheit ist günstig, da der Sportkreis dabei ist sein Projekt, „Sport hilft“, über Pforzheim hinaus, auf den gesamten Enzkreis auszudehnen. Von Angeboten, die es gerade auch in der Senderstadt vom neuen Schuljahr an regelmäßig gibt, sollen mittel- und langfristig die Klubs profitieren. „Es geht darum, Kinder und Jugendliche vereinsfähig zu machen“, sagt Gerhard Drautz, der im Sportkreis bis vor anderthalb Monaten den Vorsitz innehatte.

Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen müssten oft zuerst elementare Dinge lernen, um sich in eine Gruppe einzugliedern. Der Ligenbetrieb basiert beispielsweise auf einer zeitlichen Zuverlässigkeit der Akteure und darauf, dass jeder Einzelne bereit ist, Regeln zu akzeptieren. Was der Sportkreis mithilfe eines Diplom-Sportlehrers und weiteren Mitarbeitern leiste, könnten die Vereine alleine schwerlich leisten. Aus Sicht von Drautz zeigt das Beispiel Pforzheim, wie sehr es im Stadtgebiet an ehrenamtlichem Engagement fehlt.

In Mühlacker ergibt sich ein ähnliches Bild. Im Fußball können in Sachen Jugendarbeit der TSV Phönix Lomersheim und der FC Viktoria Enzberg gelten, während Traditionsvereine wie die Sportfreunde und die Fußballvereinigung 08 Mühlacker selbst bei den Aktiven einige Probleme haben und anders als etwa Lomersheim und Enzberg nur in der untersten Liga spielen. Integration im Sport bedeutet allerdings nicht nur Fußball. Auch die Sparte Kampfsport hat in Mühlacker und anderswo über alle Nationalitäten hinweg einen großen Zulauf zu verzeichnen.

Bereits als „Sport hilft“ in Pforzheim vor rund sechs Jahren startete, wäre Drautz auch gerne in Mühlacker aktiv geworden. Es kam zu einem Gespräch mit dem damaligen Oberbürgermeister Arno Schütterle. Wie sich der Sportfunktionär erinnert, teilte das Jugendamt später mit, Mühlacker wolle sich nicht beteiligen. Bedarf hätte es in den folgenden Jahren sicher gegeben. Wiederholt musste die PZ über alkoholisierte Jugendgruppen berichten, die in der Innenstadt Unruhe stifteten. Nun sorgt die Sparkasse Pforzheim Calw für eine Erweiterung. Zunächst bis 2012 stellt der Sponsor für die Arbeit im Enzkreis jährlich einen mittleren fünfstelligen Betrag zur Verfügung. Der Etat ist dem, der für Maßnahmen in Pforzheim zur Verfügung steht, vergleichbar. Die Stelle, die der Sportkreis im Frühjahr geschaffen hat, besetzt die Sportlehrerin Stefanie Bauer. Sie ist in der Senderstadt zu Hause. Die Aufgabe der jungen Frau aus Mühlhausen ist es, in Mühlacker Kontakte aufzubauen und auch selbst Sportstunden zu geben.