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An den Beginn des Frauenwahlrechts vor 100 Jahren erinnerten Landtagsabgeordnete Stefanie Seemann, VHS-Leiterin Martina Terp-Schunter, Kerstin Hopfensitz, Martina Klöpfer und Marlis Lippik (von links).  Foto: Fotomoment

Starke Frauen, starke Themen: 100 Jahre Frauenwahlrecht stehen in Mühlacker im Mittelpunkt

Mühlacker. Seit 100 Jahren haben Frauen in Deutschland das Wahlrecht. Mit einer Ausstellung und Vorträgen wird im Rathaus Mühlacker nun an diese demokratische Errungenschaft erinnert.

„Und wie.“ Mit diesen Worten beantwortete Erika Gerlach die Frage, ob es für sie als frisch gewählte Stadträtin schwer gewesen ist. Nach Elsi Ascher-Schütz (1948) war sie 1973 erst die zweite Frau, die in der Senderstadt ins Kommunalgremium gewählt wurde. „Wie kann man als Frau in den Gemeinderat?“ – Fragen wie diese wurden ihr von männlichen Kollegen immer wieder gestellt.

Im Rahmen einer Ausstellung in Mühlacker stehen Frauen wie Erika Gerlach nun im Mittelpunkt. Stadtarchivarin Marlis Lippik geht auf die ersten Rätinnen in Mühlacker ein. Martina Klöpfer hat als Gleichstellungsbeauftragte des Enzkreises die ersten Kreisrätinnen portraitiert. Mühlacker war mit der Wahl von Elsi Ascher-Schütz die erste Kommune im Enzkreis mit einer Stadträtin. In Sternenfels dauerte es bis zum Jahr 1989, als mit Marlis Rohde auch in der letzten Enzkreiskommune eine Frau ins Gremium einzog.

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Stefanie Seemann machte klar, dass es auf politischer Ebene noch große Unterschiede gibt. Im Kreistag des Enzkreises beträgt der Frauenanteilt zwölf Prozentund liegt damit unterhalb des Landesdurchschnitts. Der Landtag von Baden-Württemberg habe mit rund 25 Prozent in Deutschland den geringsten Frauenanteil aller Bundesländer. Was die Frauen vor 100 Jahren erreichten, „war ein Erfolg“. Was danach bis heute passiert sei „ist aber nicht genug“.

Vor den rund 40 Besuchern bei der Ausstellungseröffnung sprach Mühlackers Oberbürgermeister Frank Schneider dennoch von einer „positiven Entwicklung“. Der Frauenanteil im Mühlacker Gemeinderart liege mit 30 Prozent über dem Landesdurchschnitt.

Kulturwissenschaftlerin Kerstin Hopfensitz ging als Referentin auf die Kleidung als Zeichen für die Emanzipation ein. „100 Jahre Frauenwahlrecht = Ende der Kostümierung“ war ihr Thema. Die Emanzipation von „Kleidervorschriften, die von Männern gemacht wurden“, sei ein wichtiger Schritt hin zur Gleichberechtigung gewesen.