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Die Sternenfelser Feuerwehr probt bei ihrer Jahresübung den Ernstfall. Kollegen aus der Umgebung unterstützen.  kollros
Die Sternenfelser Feuerwehr probt bei ihrer Jahresübung den Ernstfall. Kollegen aus der Umgebung unterstützen. kollros
29.10.2017

Sternenfelser Feuerwehr bewältigt bei Jahresübung komplexes Szenario

Selten erlebt man als Beobachter eine derart komplex angelegte Feuerwehrübung, wie jene am Samstag in Sternenfels. Nicht nur, dass rund 50 Floriansjünger und um die 30 DRK-Helfer, darunter zwei Ärzte, im Einsatz waren – neben der reinen Brandbekämpfung sah das Szenario auch die Bergung von gleich zwölf Personen aus höher gelegenen Stockwerken vor.

Der Sternenfelser Kommandant Klaus Riekert und sein Führungsteam aus beiden Einsatzabteilungen hatten den Ort des Geschehens hinaus in einen abgelegenen Markungsteil gelegt, zur Mettenbacher Mühle. Allein schon die Örtlichkeit dürfte für die meisten Beteiligten Neuland gewesen sein, wo man sich erst einmal mit den Gegebenheiten zurechtfinden musste. Dann folgte die erste große Herausforderung: die Löschwasserversorgung. Denn die Bewohner der Gebäude an der Mettenbacher Mühle beziehen ihr Trinkwasser aus einem Tiefbrunnen, der laut Kommandant Riekert nicht unbedingt Kapazitäten für Löscheinsätze vorhält. Also waren die Einsatzkräfte, zu denen auch Zaisersweiherer Kollegen gerufen wurden, zunächst auf die gefüllten Tanks ihrer kombinierten Löschfahrzeuge angewiesen. Des Weiteren wurde aus der nahe verlaufenden Metter Wasser entnommen und in ein mobiles Becken gefördert.

Schüler und Lehrer in Gefahr

Parallel dazu erfolgte die Rettung der in der Mühle eingeschlossenen zehn „Schüler“ und ihrer beiden „Lehrer“. Sie befanden sich fiktiv bei einer Besichtigung der Mühle, als im Maschinenraum zunächst ein Schwelbrand entstand, der in ein offenes Feuer mit starker Rauchentwicklung über drei Stockwerke mündete. Laut Aufgabenstellung war den Personen der Fluchtweg abgeschnitten, sie verharrten in den beiden Obergeschossen, wohin die ersten Einsatzkräfte aus Sternenfels und Diefenbach mittels Steck- und Schiebeleitern vordrangen und über diesen Weg die „Opfer“ retteten. Schnell war auch die Drehleiter aus Knittlingen eingetroffen, über deren Rettungskorb die übrigen „Verletzten“ geborgen wurden. Die Fauststädter stellten zudem ihre Fertigkeit unter Beweis, mittels einer am Korb befestigten Rettungsschale eine leblose Person zu bergen. Die Übung klappte buchstäblich wie „am Schnürchen“. Alle Situationen wurden durchdacht, etwa das Umweltamt oder den Klärmeister der Schützinger Anlage über eventuell kontaminiertes Löschwasser zu informieren. Grundsätzlich kam dabei aber Entwarnung vom Betreiber der Mühle: Er verarbeite das Milchprotein Kasein, also ein reines Naturprodukt, so Eugen Rommel, außerdem seien im Gebäude keinerlei Chemikalien gelagert.

Während zur Löschwasserbereithaltung die Einsatzkräfte ihre Tankfahrzeuge immer wieder am Hydranten am Ortsausgang von Zaisersweiher auffüllten, wäre bei einem Ernstfall die Ötisheimer Feuerwehr auf den Plan getreten, um dorthin eine rund 800 Meter lange Förderleitung aufzubauen, so Einsatzleiter Riekert.

Rund 400 Meter von der Mühle entfernt befindet sich das Ostportal des Freudensteintunnels der Schnellfahrstrecke, wo die Bahn für Notfälle einen Behandlungsplatz angelegt hat. Diesen nutzte nun ebenso beim samstäglichen Szenario die involvierte rund 30-köpfige Einsatzeinheit des DRK-Kreisverbands unter Zugführer Markus Mannuss. Dort wurden die „Verletzten“ mit ihren fiktiven offenen Wunden und Brandverletzungen untersucht und erstversorgt. Anschließend wurden sie ins gleichfalls fiktive „Schwerpunktkrankenhaus Diefenbach“, konkret in die Gießhalle gebracht.

Lehrreicher Nachmittag

Kommandant Riekert war rundum zufrieden mit dem Übungsverlauf. Die Übung habe wichtige Erkenntnisse geliefert, aus denen man in einem Ernstfall im Bereich der Mühle Schlüsse ziehen könne. Der Nachmittag sei „sehr lehrreich“ gewesen. Bewährt habe sich auch die Einbindung der Führungsunterstützungseinheit Stromberg, die abteilungsübergreifend koordiniere, dabei Synergien nutze und auch die Schnittstelle zum Rettungsdienst darstelle.