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Ungewöhnliche Perspektive  auf das Bahnhofsgebäude in Mühlacker: Die Stadt hat dem Verkehrs-Unternehmen den Vorplatz abgekauft und drängt nun auf eine Modernisierung des Komplexes, an dem erhebliche Baumängel bestehen sollen. Dahinter liegen die Gleise.
Ungewöhnliche Perspektive auf das Bahnhofsgebäude in Mühlacker: Die Stadt hat dem Verkehrs-Unternehmen den Vorplatz abgekauft und drängt nun auf eine Modernisierung des Komplexes, an dem erhebliche Baumängel bestehen sollen. Dahinter liegen die Gleise. © PZ-Archiv
27.03.2009

Tauziehen um Modernisierung des Mühlacker Bahnhofes

MÜHLACKER/BERLIN. Die schriftliche Zusage über die Modernisierung des Bahnhofs ist im Rathaus in Mühlacker bereits eingegangen. Aber der Zeitpunkt der Investitionen ist offen. Darüber hat ein politisches Tauziehen begonnen.

Nach den derzeitigen Zeitvorstellungen in Berlin, die bisher aber nicht von der Bahnzentrale in Stuttgart bestätigt wurden, soll nur die Planung für die Modernisierung des Bahnhofs Mühlacker Ende 2010 beginnen. Dagegen läuft bereits der Verkehrsclub Deutschland Sturm. „In diesem Jahr müssten die Maßnahmen in Mühlacker geplant und 2010 realisiert werden. Sonst sind die Pläne fertig und das Geld ist schon weg“, argwöhnte Matthias Lieb aus Mühlacker, der Landeschef der Verkehrs-Organisation. Ähnlich argumentierte Gunther Krichbaum, der direkt gewählte Bundestagsabgeordnete für den Enzkreis, in Berlin. „Die Investitionen in Mühlacker müssen viel zügiger umgesetzt werden“, formulierte er gestern in einem Brief an die Bahn-Zentrale in der Hauptstadt. Weil Baden-Württemberg beim Straßenausbauprogramm des Bundesverkehrsministeriums „bisher nicht gut weggekommen“ sei, dürfe dies beim Sanierungsprogramm für die Bahnhöfe nicht wieder passieren.

Mehr als elf Milliarden Euro sollen laut Bahnzentrale in diesem und im nächsten Jahr bundesweit in die Modernisierung mittlerer und kleinerer Bahnhöfe gesteckt werden. Landeschef Lieb sprach von einem Investitionsbedarf von etwa fünf Millionen Euro auf dem Bahn-Areal in Mühlacker. Dort sollen täglich etwa 7000 Fahrgäste die 160 werktags ankommenden und abfahrenden Züge nutzen. Laut Verkehrsclub könnte die Sanierung in Pforzheim und in Mühlacker zeitgleich ausgeführt werden, um Synergie-Effekte zu nutzen.

Wichtiger Umsteige-Knoten

Auch die Verwaltung Mühlacker wird schon ungeduldig. „Die Modernisierung der Bahnanlagen in Mühlacker hätte längst passieren müssen“, erklärte gestern Bürgermeister Winfried Abicht zur PZ. Der wichtige Umsteigeknoten Mühlacker müsse „sofort auf die Agenda kommen“, stellte er fest. Der Gemeinderat habe der Bahn signalisiert, sich an den Kosten des Bahnhof-Ausbaus zu beteiligen. Der Vorplatz des Gebäudes sei dem Bahn-Konzern als „ein Zeichen guten Willens“ von der Verwaltung bereits abgekauft worden.

Nach Abichts Worten ist die Barrierefreiheit des Bahnhofs der Verwaltung sehr wichtig auch für Familien mit Kinderwagen. Die Reisenden hätten es verdient, wenn weiterhin Fernzüge das Mittelzentrum bedienten. Der Rathaus-Vize schlug der Bahn neue Verhandlungen vor. Auch an den Bahnhofs-Gebäuden seien erhebliche Renovierungen notwendig.

Der Verkehrsclub fordert eine Anhebung der Bahnsteige in Mühlacker von derzeit 35 Zentimeter auf 55 oder gar 76 Zentimeter Höhe. Alle drei Bahnsteige müssten saniert werden, damit Fernzüge in Mühlacker weiterhin halten könnten. Vorsitzender Lieb sagte, wie auf schweizerischen Bahnhöfen sollte Rollstuhlfahrern in Mühlacker über Rampen der Zugang zu den Zügen ermöglicht werden.