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Von Grün überwuchert  sind die Gebäude auf dem Areal am Lauterwald in Ölbronn, auf dem der Designer Eberhard Hagmann eine neue Denk fabrik gründen will. Bisher hatte das Grundstück der verschwundenen Tierschützerin Marion Rösch-Vogel gehört.
Von Grün überwuchert sind die Gebäude auf dem Areal am Lauterwald in Ölbronn, auf dem der Designer Eberhard Hagmann eine neue Denk fabrik gründen will. Bisher hatte das Grundstück der verschwundenen Tierschützerin Marion Rösch-Vogel gehört. © Pieper
07.05.2008

Tierasyl einer verschwundenen Tierschützerin wird Designer-Denkfabrik

ÖLBRONN-DÜRRN. Endlich eine Perspektive für das Galerie-Areal der verschwundenen Tierschützerin Marion Rösch-Vogel in Ölbronn: Designer Eberhard Hagmann hat das große Anwesen im Amtsgericht in Pforzheim ersteigert.

Auf dem Grundstück hatten sich im Jahr 2004 dramatische Szenen abgespielt. Ein Schaf war dort nach Darstellung des Amtsveterinärs verdurstet oder verhungert, ein Pony konnte von ihm aus dem Kofferraum eines Lieferwagens gerettet werden. Außerdem wurden vier weitere Tiere auf dem Gelände konfisziert. An diese turbulente Zeit eines „Gnadenhofs für geschundene und missbrauchte Tiere“, den Galerie-Besitzerin Marion Rösch-Vogel auf dem geräumigen Gelände einrichtete, erinnern heute noch mehrere hölzerne Unterstände. Die heftigen Streitereien mit den Behörden endeten vor dem Verwaltungsgericht.

Über Nacht setzte sich die Besitzerin mit den restlichen Tieren ab (die PZ berichtete). Unbeeindruckt von dieser Vorgeschichte besserte der 58-jährige Industriedesigner aus Ölbronn sein Angebot in den letzten Sekunden vor dem dritten Zuschlag im Amtsgericht Pforzheim gestern auf 295 000 Euro nach, nachdem er fünf Minuten vor Ablauf der Bieterfrist bei Rechtspfleger Wolfgang Eisenhauer ein erstes Angebot über 200 000 Euro eingereicht hatte. „Das ist ein noch guter Preis“, wertete am Nachmittag ein einheimischer Kommunalpolitiker den Zuschlag. Vom Gutachter des Gerichts war ein Wert von 360 000 Euro ermittelt worden. Auf dem Grundstück waren aber einige hohe Schulden der Sparkasse eingetragen, die bis an eine halbe Million Euro heranreichten. Die Gemeinde kann eine Summe von 150 000 Euro an Erschließungskosten für das weitläufige Areal aus dem Versteigerungserlös erwarten. Das Finanzamt in Mühlacker wurde vom Auktionator vor den 15 Zuhörern im Gerichtssaal als Gläubiger einer fünfstelligen Summe genannt. Der anwesende Bürgermeister Norbert Holme sagte zur PZ, die Forderungen der Gemeinde würden vorrangig behandelt. Alle kommunalen Außenstände würden aus dem Erlös bedient. Nachbar Walter Klein vom Lauterwald aus Ölbronn hatte Interesse am Kauf gezeigt. „Der Zustand der Gebäude ist nicht schlecht. Der Preis war mir angesichts der Spekulationen um mögliche Altlasten zu hoch“, meinte er.

Designer baut Ideenschmiede auf

Das von hüfthohen Brennnesseln überwucherte Areal macht einen verwilderten Eindruck. Alle Türen der Gebäude standen gestern offen. Das Dach eines Tierschuppens war eingebrochen. Auf den neuen Besitzer wartet viel Arbeit, um dort die angestrebte Denkfabrik einzurichten. „Ich möchte mein Gewerbe ausweiten und in Ölbronn weitere Arbeitsplätze schaffen“, sagte der renommierte Designer zur PZ. Das verlassene Galerie-Anwesen, in dem bis 1991 ein mittelständischer Metallbetrieb mit mehr als einem Dutzend Mitarbeiter tätig war, könnte nun zu einer internationalen Zentrale für Uhren- und Möbeldesign werden. Bisher ist das Büro in einem Haus an der Ölbronner Kirche untergebracht.