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Aufrüttelnde Informationen zum Insektensterben präsentiert Christoph Aly, der auf Einladung des BUND Maulbronn in der Aula der Schule am Silahopp referiert. Foto: Bischoff-Krappel
Aufrüttelnde Informationen zum Insektensterben präsentiert Christoph Aly, der auf Einladung des BUND Maulbronn in der Aula der Schule am Silahopp referiert. Foto: Bischoff-Krappel
11.03.2018

Trommel gerührt für die Bienen

Maulbronn. Christoph Aly berichtet über die schlimmen Folgen des Insektensterbens bei einer Info-Veranstaltung in der Maulbronner Schule am Silhopp.

Die Zahlen sind erschreckend: Untersuchungen belegen, dass sowohl die Artenvielfalt als auch die Anzahl von Insekten eindeutig zurückgehen. Bereits 41 Prozent der in Deutschland beheimateten rund 550 Wildbienenarten seien in ihrem Bestand gefährdet. „Es gibt einen besorgniserregenden Abwärtstrend“, stellte der Biologe und Chemiker Christoph Aly bei seinem vom BUND Maulbronn initiierten Vortrag in der Aula der Maulbronner Schule am Silahopp heraus.

„Ohne Bienen bleibt der Obstkorb leer – das Insektensterben und was wir dagegen tun können“, lautete der Titel von Alys Ausführungen. Der Referent verdeutlichte den 50 Besuchern, dass der Rückgang der Insektenzahlen weitreichende Folgen hat: „Vögel ernähren ihre Jungen von Insekten. Sinkt deren Zahl, geht auch die Anzahl der Vögel zurück.“ Eine Wertschöpfung in Milliardenhöhe entstünde allein durch die Bestäubungsleistung von Insekten. „Es wäre erschreckend, wenn es bei uns so käme wie in China, wo Bäume von Hand bestäubt werden müssen, weil die Insekten fehlen“, so der Referent. Doch woher rührt das Insektensterben? Aly sieht neben dem Verlust der Lebensräume durch Flurbereinigung und intensive Landwirtschaft vor allem den zunehmenden Einsatz von Pflanzengiften als Auslöser. Eine Verschärfung sei durch die Verwendung von Neonicotinoiden (NN) entstanden, einer Gruppe von hochwirksamen Insektiziden. „Statistiken, die belegen sollen, dass der Einsatz von Insektiziden zurückgeht, sind mit Vorsicht zu genießen“, unterstreicht der Referent. Denn die NN hätten eine weitaus stärkere Wirkung als die früher verwendeten Pflanzengifte. Die Folgen seien gravierend: „Die NN machen die gesamte Pflanze zu einer Giftpflanze“, erläuterte Aly. Jene Insekten, die davon nicht gleich verendeten, litten unter gravierenden Nebenwirkungen: „Die Gesundheit, Orientierung und das Verhalten der Bienen werden gestört.“ Zudem unterdrückten die NN die Immun-abwehr der Insekten. „Die oft als Verursacher des Bienensterbens angeführte Varroamilbe ist daher nicht die Hauptursache“, so Aly. „Der Punkt ist, dass die Milbe auf einen durch die NN geschwächten Patienten trifft.“

Kunden und Staat gefordert

Was also tun? „Fragen Sie in Ihrer Kommune gezielt nach einer insektenfreundlichen Pflege des öffentlichen Grüns, kaufen sie Bio-Lebensmittel und schaffen Sie einen blühenden Garten und Balkon“, zeigte Aly auf, was jeder Einzelne tun könne. Auf politischer Ebene seien eine verbesserte Förderung des Bioanbaus und ein Abbau naturschädigender Subventionen, ein staatliches Insekten-Monitoring und eine weitere Reduktion von Pestiziden sowie ein Verbot der gefährlichsten Pflanzengifte wie Glyphosat oder NN zwingend erforderlich.