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Einige Sicherungen der Sendemasten sind außerhalb der Anlage angebracht.
Sender © PZ-Archiv
03.02.2011

Turbulenz vor 25 Jahren: Sender als Ziel von RAF-Terroristen?

MÜHLACKER. Die Bedeutung des Senders Mühlacker schwindet. Noch vor 25 Jahren war das nicht vorstellbar. Damals gab es die Annahme, die Anlage könnte das Ziel von RAF-Terroristen werden und müsse gut geschützt werden.

Die Nachricht von der bevorstehenden Abschaltung des traditionsreichen Mittelwellensenders in Mühlacker hat bei Stadtrat Rolf Leo Erinnerungen geweckt. Er weiß noch, dass es zu Hochzeiten der Rote Armee Fraktion (RAF) die Befürchtung gab, die Terroristen könnten eine Gefahr für die Anlage werden, die in den 70er Jahren und darüber hinaus strategisch von großer Bedeutung war. Im Gemeinderat sei damals überlegt worden, was getan werden könne, um den Sender zu sichern. Darum sei es nur im nicht-öffentlichen Teil gegangen, allen Beteiligten sei strengste Geheimhaltung auferlegt worden.
Wenn dem so wahr, wahrt der damalige Bürgermeister Gerhard Knapp die Diskretion bis heute. Er sagt: „Offiziell ist darüber nie gesprochen worden.“ In der Bevölkerung allgemein und wohl auch unter Kommunalpolitikern sei das ein Thema gewesen, aber nicht in Sitzungen. Wiederum anders äußert sich Jörg Sattler, der während dieser Phase dem Gemeinderat angehörte. Nach etwa 30 Jahren erinnert er sich eher vage. Immerhin weiß Sattler noch, dass er die Überlegungen, die Sendeanlage mit einem zusätzlichen Zaun zu versehen, für überzogen hielt. In einem ist sich Sattler sicher: „Es gab eine öffentliche Diskussion.“

Das sensible Thema mag zunächst vertraulich behandelt worden sein, der Blick ins Online-Archiv der „Pforzheimer Zeitung“ zeigt aber, dass es nicht bis zuletzt so blieb. „Enteignung für den Rundfunk ist möglich“ titelte die PZ 1988 und berichtete von einer Entscheidung des baden-württembergischen Verwaltungsgerichtshofs in Mannheim. „Der Senat unterstrich, es bestehe kein Zweifel daran, dass die Absicherung des Mittelwellensenders Mühlacker dem Gemeinwohl diene. Der Sicherheitszaun sei notwendig, um die Rundfunkversorgung auf Dauer zu sichern. Der Sender Mühlacker habe zentrale Bedeutung, weil er als einziger Sender des SDR eine flächendeckende Grundversorgung der Bevölkerung Baden-Württembergs gewährleiste“, heißt es in dem Artikel.

Damit hätte der Süddeutsche Rundfunk private wie auch städtische Grundstücke beanspruchen können, um zum Schutz vor „eventuellen terroristischen Aktionen“ eine Doppelzaunanlage zu errichten. Da Abspannseile zur Sicherung der Masten außerhalb des SWR-Geländes verankert sind, hätte der Sender leicht zu Fall kommen können.

Dass der Zaun nicht errichtet wurde, dürfte daran liegen, dass sich bis zu dieser Entscheidung manches getan hatte. Ein Jahrzehnt war seit den im Schützinger Wald im Vorfeld des Mords an Generalbundesanwalt Siegfried Buback durchgeführten Schießübungen vergangen. Zudem war die RAF aufgrund verschiedener Fahndungserfolge geschwächt – und hatte durch Attentate, weniger durch Anschläge auf öffentliche Einrichtungen von sich reden gemacht.
Heute, 13 Jahre nach dem Ende der RAF, fällt es schwer, zu glauben, dass je eine feindliche Übernahme oder eine Zerstörung des Senders Mühlacker durch Terroristen drohte. Als die Überlegungen für einen Doppelzaun angestellt wurden, sah das ganz anders aus. Nicht Stadtverwaltung oder „Südfunk“ hatten Sorge um den Sender geäußert, sondern das Landeskriminalamt. So jedenfalls lauten die Erkenntnisse des SWR-Archivs.