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Symbolfoto: dpa
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10.09.2017

VCD kritisiert Umgang der Stadt mit drohendem Dieselfahrverbot in Mühlacker

Mühlacker. Enttäuscht reagiert der Verkehrsclub Deutschland auf die Maßnahmen, die die Stadt Mühlacker ergreifen will, um die Luftschadstoff-Grenzwerte künftig einzuhalten und ein drohendes Dieselfahrverbot abzuwenden. Die Mittelanmeldung der Stadt Mühlacker aus dem Fonds „Nachhaltige Mobilität für die Stadt“ sei „wenig ambitioniert“, schreibt Vorsitzender Matthias Lieb in einem offenen Brief an die Stadtverwaltung.

Die Verwaltung hat Projekte aus dem Radverkehrskonzept eingereicht. Zudem schlägt sie vor, dass die Anrufsammeltaxis in Mühlacker und den Ortsteilen Lomersheim, Mühlhausen, Großglattbach und Lienzingen künftig mit Elektro-Autos fahren und weitere E-Ladestationen installiert werden (PZ berichtete). Zu wenig, aus Sicht des VCDs. Es fehle das Verständnis, dass die Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) und Radverkehrs ein Beitrag zur Lösung des Verkehrsproblems sein könnte, kritisiert Lieb.

In den Vorschlägen der Stadtverwaltung sei eine Stärkung des ÖPNVs nicht erkennbar. „Eine Umrüstung der Dieselbusse, wie von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) eingefordert, ist nicht vorgesehen“, klagt Lieb. Und das obwohl nicht zu erwarten sei, dass alle im Stadt- und Regionalbusverkehr rund um Mühlacker betriebenen Linien-Omnibusse derzeit der Euro 6-Norm genügen. „Angesichts vergleichsweise geringer Kosten für solche Umrüstsätze und der Möglichkeit der Förderung ist dies unverständlich“, so Lieb, der zudem kritisiert, dass nur die schon bestehenden Anrufsammeltaxi-Angebote elektrifiziert werden sollen, anstatt noch weitere zu schaffen.

In Mühlacker dominiere der motorisierte Individualverkehr. Das sei der Hauptgrund für die Probleme in der Bahnhofstraße und in der Stuttgarter Straße, in der die Luftschadstoff-Grenzwerte überschritten werden. „Städte mit einer stärkeren Nutzung des Radverkehrs und des ÖPNVs haben entsprechend weniger Verkehrsprobleme“, so Lieb.

Dabei gehe es nicht um das Verbieten des Autofahrens, sondern um eine bewusstere Nutzung der Verkehrsmittel. „Dazu müssten allerdings auch die Alternativen zum motorisierten Individualverkehr leistungsfähig ausgebaut werden.“ Hier sieht Lieb allerdings gravierende Versäumnisse bei der Stadt. „Seit der Einführung des neuen Stadtbusverkehrs mit dem Anrufsammeltaxi-Verkehr im Jahr 2003 und der Einrichtung der Fahrradboxen am Bahnhof vor ebenfalls zehn Jahren, gab es im Bereich ÖPNV und Radverkehr in den vergangenen Jahren keine weiteren Verbesserungen“, bemängelt Lieb. Konkrete Verbesserungsvorschläge des VCD für den Stadtbusverkehr seien abgelehnt und die Erstellung des Radverkehrskonzepts jahrelang verzögert worden.

Probleme in der Bahnhofstraße

Enttäuscht zeigt sich Lieb auch davon, dass erneut ein Verkehrsgutachten in Auftrag gegeben werden soll. „Eine Berücksichtigung aller Verkehrsarten und der Aufenthaltsqualität führt immer zum Vorschlag, Rad und ÖPNV in beiden Richtungen in der Bahnhofstraße zu ermöglichen und den motorisierten Individualverkehr zu beschränken – dies wird auch ein neues Gutachten aufzeigen“, ist er überzeugt. Es sei stattdessen an der Zeit, dass der Gemeinderat Entscheidungen treffe, so Lieb.