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Verstärkung braucht der Verein Tagesmütter Enztal mit Geschäftsführer Werner Kunstetter und den Tagesmüttern Nicole Tzanawaris, Silke Reuter, Sabine Diefenbacher, Anke Beuchle und Eszter Donath (von links). Prokoph
Verstärkung braucht der Verein Tagesmütter Enztal mit Geschäftsführer Werner Kunstetter und den Tagesmüttern Nicole Tzanawaris, Silke Reuter, Sabine Diefenbacher, Anke Beuchle und Eszter Donath (von links). Prokoph
01.11.2016

Verein in Mühlacker sucht dringend weitere Tagesmütter

Das eigene Kind erst mit drei Jahren in den Kindergarten zu schicken, ist ein Konzept, das heutzutage immer weniger Eltern nutzen. Vielmehr wird es üblicher, bereits die unter Dreijährige in Obhut zu geben. Vorausgesetzt, in der Nähe des Wohnortes gibt es ein solches Angebot.

In Mühlacker ist dies zwar der Fall, doch wie in vielen anderen Enzkreisgemeinden ist auch in der Kreisstadt die Nachfrage höher als das Angebot. Deshalb strebt die Verwaltung an, die Kooperation mit dem Verein Tagesmütter Enztal auszubauen und die Betreuungsplätze im kommenden Jahr von 30 auf 50 zu erhöhen (PZ berichtete).

Gleichzeitig aber sucht der Verein händeringend nach Tagesmüttern. Denn einige der Frauen arbeiten in diesem Job nur befristet, bis die eigenen Kinder groß genug für die Kindertagesstätte sind und gehen dann wieder in ihrem früheren Beruf arbeiten. Ein großes Manko an der Arbeit als Tagesmutter ist laut Werner Kunstetter, Geschäftsführer und Vorsitzender des Vereins, der Zwang zur Selbstständigkeit. Die Frauen könnten zwar einen Zuschuss zur Kranken- und Rentenversicherung beantragen, aber vielen ist dieser Job wohl zu unsicher.

Kunstetter und die sozialpädagogischen Fachkräfte Anke Beuchle und Silke Reuter sowie die Tagesmütter Nicole Tzanawaris, Eszter Donath und Sabine Diefenbacher hatten sich vor kurzem in den Räumen des Vereins an der Bahnhofstraße in Mühlacker eingefunden, um im Gespräch mit der „Pforzheimer Zeitung“ für weitere Tagesmütter zu werben. „Unsere Tagespflege ist mehr als eine wertvolle Ergänzung zur Kindertagesstätte“, so der Geschäftsführer. Dem kleinen Ben gefällt es offenbar auch. Entspannt liegt er auf dem Tisch vor seiner Tagesmutter Nicole Tzanawaris. Sie krault ihm liebevoll den Bauch. Die ausgebildete Erzieherin fühlt sich bei ihrer Arbeit mit den Kleinen in ihrem Element. In Dürrmenz versorgt sie insgesamt fünf Kinder. „Wenn die Kinder von ihren Müttern abgeholt werden, wird immer zuerst fertig gespielt“, sagt sie. Denn die Eingewöhnung bei einer Tagesmutter erfolge für das Kind langsam, aber intensiv.

Die Räume in der Bahnhofstraße strahlen Gemütlichkeit und Ruhe aus. Und obwohl der kleine Lukas zuerst quengelt und dann laut schreiend die Kaffeetasse seiner Mutter auf dem Tisch greifen will und die zweijährige Maria aus Syrien fröhlich Stühle umher schleppt, bleiben die Tagesmütter ruhig. „Das ist der ganz normale Alltagswahnsinn“, sagen sie entspannt mit einem Lächeln auf den Lippen.

„Ich kann mir keinen anderen Job vorstellen“, sagt Nicole Tzanawaris. Eszter Donath gefällt, dass sie sowohl ihre eigenen und die betreuten Kinder aufwachsen sehe. Und Sabine Diefenbacher sagt: „Ich liebe die Gespräche am Mittagstisch.“ Ihre eigenen Kinder sind bereits erwachsen. Jetzt betreut sie fremde Kinder im Alter von zwei bis neun Jahren.