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Ein 20-Jährige aus dem östlichen Enzkreis, der an Silvester in einer Mannheimer Stadtteil Straßenbahn einen 49-Jährigen attackiert hatte, kam um eine Verurteilung herum.
Faust © dpa
20.06.2011

Verfahren gegen Schläger eingestellt

MAULBRONN. Ein nicht alltäglicher Prozess ist in Maulbronn am Amtsgericht abgelaufen. Auf der Anklagebank saß ein bisher unbescholtenener junger Mann aus dem östlichen Enzkreis, der an Silvester in einer Mannheimer Stadtteil Straßenbahn einen 49-Jährigen attackiert hatte.

Nachdem sieben Zeugen und eine Sachverständige gehört worden waren, wurde das Verfahren gegen ihn eingestellt. Der 20-Jährige kam um eine Verurteilung herum, muss allerdings 40 Arbeitsstunden leisten.

Die Beweisaufnahme ergab, dass der angehende Student die Fäuste hatte sprechen lassen. Überzeugend klangen zudem die Schilderungen einer Zeugin aus Frankfurt, wonach der Angeklagte dem am Boden liegenden Opfer einen Tritt gegen die Hüfte versetzte. Auch sein Verhalten gegenüber dieser Frau war nicht die feine Art. Sie stieß er zu Boden, worauf ihm die 21-Jährige zwei Ohrfeigen verpasste. Unklar blieb, wie genau es zu der Auseinandersetzung kam. Den Ausführungen des Angeklagten zufolge hatte der 49-Jährige zuerst zugeschlagen.

Eigentlich hatten sämtliche Beteiligten den Jahreswechsel feiern wollen, zu diesem Zweck aber auch mehr oder weniger stark dem Alkohol zugesprochen. Der Darstellung des Opfers zufolge wurde er in der Bahn erst mit einer Flüssigkeit übergossen und dann zum ersten Mal attackiert. Wer die Geschmacklosigkeit und wer den Schlag zu verantworten hat, konnte der Mannheimer dem Richter nicht sagen.

Als sich die Auseinandersetzung aus der Bahn heraus auf den Bahnsteig und sogar auf die Gleise verlagerte, war der 49-Jährige weitgehend orientierungslos, weil als Folge der Attacken seine Brille herunterfiel. Dafür dass er einen Nasenbeinbruch, und eine Jochbeinprellung davontrug, zwei Zähne in Mitleidenschaft gezogen wurden und als Folge des Sturzes auch ein Knie, machte der Mann beim Prozess einen relativ gelassenen Eindruck. In jedem Fall zeigte er kein überdurchschnittlich großes Interesse an einer Verurteilung des 20-Jährigen. Dem warf die Staatsanwaltschaft ursprünglich eine gemeinschaftliche gefährlicher Körperverletzung vor.

Während der Zeugenvernehmung ergab sich ein anderes Bild. Die Freunde des Angeklagten gaben an, es das Szenario habe sich eher als eine Schlägerei dargestellt, keinesfalls als massiven Übergriff eines Einzelnen. Verglichen mit Taten in München oder Berlin, wo Menschen bei Gewaltexszessen zu Tode kamen, ging es in der Silvesternacht in Mannheimer weniger brutal zu. Darüber hinaus unterscheiden sich die Fälle in einem anderen Punkt. In Mannheim schauten nicht alle weg. Da zwei Mädchen um Hilfe riefen, wurden die 21-jährige Belastungszeugin und ihre fünf Begleiter auf das Geschehen aufmerksam. Nachdem dieser Gruppe gerade der Einlass in eine Disco verwehrt worden war, und weil mehrere schon Einiges an Alkohol genossen hatten, ergaben sich neue Verwicklungen. Als die Polizei mit drei Streifenwagen anrückte, wurde der 49-Jährige zwar nicht mehr traktiert, wirklich entspannt hatte sich die Situation jedoch nicht.

Ein Polizist, der als Zeuge gehört wurde, erklärte, es sei für die Beamten nicht einfach gewesen, sich einen Überblick zu verschaffen. Aufs Revier wurde letztlich der 20-Jährige aus dem Enzkreis mitgenommen. Er wurde dort nicht mehr aggressiv, den Beamten gegenüber aber „vorlaut und frech“. Bei Gericht hatte seine Anwältin Marion Brenner mit dem Vorschlag von einer Verurteilung abzusehen, trotz allem Erfolg.