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16.02.2019

Verteidiger zweifelt Gutachter-Aussage an

Während vor dem Schwurgerichtssaal am Landgericht Karlsruhe an den vergangenen zwei Verhandlungstagen scharfe Personenkontrollen angeordnet wurden, so verzichtete das Gericht bei der gestrigen Verhandlung auf diese Maßnahmen. Zum achten Verhandlungstag im Oberderdinger Mordprozess gegen einen 24-jährigen Altenpfleger, erschien ein LKA-Fachmann für Textilvergleiche. Dieser hatte bereits am vierten Verhandlungstag ausgesagt. Seine Aufgabe lag darin, dass wenig aussagekräftige Bildmaterial der Wildkameras vom zweiten Scheunenbrand mit den gefundenen Kleidungsstücken zu vergleichen. Verteidiger Bastian Mayer bemängelte damals den angewandten Bildmaßstab für die Vergleiche.

Der Experte für Faserspuren legte dem Gericht nun die angepassten Fotos dar. Dabei erklärte der Gutachter, dass die Musterstruktur und weitere Merkmale mit den gefundenen Hosenbeinen identisch sind. „Es gibt zahlreiche Merkmale, die dafür sprechen, dass es sich um die gleichen Hosenbeine handelt“, so der Gutachter.

Verteidiger Mayer zeigte sich erneut beharrlich und sprach die „Individualisierung“ solcher Hosen an. „Bei diesen Produkten handelt es sich um zufällige Musterschienen“, erklärte der Sachverständige. „Aus diesem Grund ist es unwahrscheinlich, dass es diese identische Hose nochmals gibt“, fügte er an und verwies auf eine wissenschaftliche Studie von Berliner Kollegen.

Mayer ließ jedoch nicht locker und präsentierte dem Gericht – aus seiner Sicht – zwei identisch wirkende Tarnhosen. „Ist es nicht merkwürdig, zwei identische Tarnhosen in einem Geschäft kaufen zu können“, fragte der Verteidiger. Der Gutachter entgegnete, dass lediglich die Struktur und das Muster identisch sind. Genaueres blieb letztlich offen. Auf die abschließende Frage der Staatsanwaltschaft, ob die Hosenbeine mit den Bildern auf der Wildkamera identisch sind, versicherte der Gutachter erneut, dass dies der Fall ist. „Die Hosen sind modellgleich, weisen die gleichen individuellen Merkmale auf. Es gibt kein Indiz, dass es sich nicht um die gleichen Hosen handelt“, verdeutlichte er.

Der nächste Verhandlungstag ist auf den 25. Februar, 9 Uhr angesetzt.