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© Heilemann
30.06.2011

Viele Fragen zum Mühlehof, aber kein klares Bild

MÜHLACKER. Der große Gottlob-Frick-Saal im Mühlehof füllte sich bei der Bürgerversammlung so richtig, als alle Gruppen von den Rundgängen durch den Gebäudekomplex zurück waren. Ein großer Teil der Besucher wollte sich vom Zustand des Baus selbst einen gründlichen Eindruck verschaffen. Am Ende verfolgten im Saal wohl stark 400 Menschen die Informationen der Gutachter Kerstin Streule und Dieter Bühl vom Fachbüro Drees und Sommer. Und wenn eines ganz deutlich wurde, dann das: Kalt ließ die Frage um Sanierung oder Abriss des Mühlehofs keinen, für viele ist es auch eine emotionale Angelegenheit.

Verwaltung und Gemeinderat hatten die Bürgerversammlung auch als Stimmungstest vor einer schweren Entscheidung nutzen wollen. In dieser Hinsicht bleiben aber ebenso offene Fragen wie bei vielen Bürgern, die vor allem darüber grübelten, woher das Geld egal für welche Lösung kommen könnte.

Schon in der ersten Frage wurde der Wunsch laut, den Mühlehof doch mit möglichst wenig Geld im heutigen Zustand zu belassen. Dafür gab es ähnlich starken Applaus wie für die Antwort von Oberbürgermeister Frank Schneider: „Es ist eben die Frage, ob man das möchte, nachdem sich viele jahrelang beschwert haben, dass das Gebäude genau so ist wie es ist.“ Die Gutachter hatten zuvor dargelegt, dass auch der nackte Erhalt binnen vier Jahren eine runde halbe Million Euro verschlingen würde. Deutlich länger halten sie den Aufschub einer Generalsanierung nicht für möglich. Deren Kosten, geschätzt auf 30 Millionen Euro, schockieren viele. Entsprechend oft wurden sie hinterfragt. Der Hoffnung auf eine schrittweise Sanierung über Jahre widersprachen Streule und Bühl. Der Mühlehof sei kein Bau wie ein Krankenhaus mit verschiedenen Flügeln. Alle Teile hingen miteinander zusammen.

Frank-Ulrich Seemann fragte nach den sechs Millionen Euro, die die Stadt laut ihrem jüngsten Zehnjahresplan für den Mühlehof auf jeden Fall hat. Könnte man damit nicht das Wichtigste sanieren und den Komplex damit noch auf Jahre sichern? Bühl entgegnete, dass jeder Eingriff etwa ins alte Techniknetz weitere hohe Kosten automatisch nach sie ziehe. Für Leitungen müssten Wände und Decken geöffnet und dann erneuert werden und so weiter. Eine Fragestellerin erhoffte sich Einsparungen durch Verzicht auf einige Nutzungen – vor allem im gewerblichen Teil. Sie zählte die Probleme des Mühlehofs klar auf: Riesige Gewerbeflächen im Untergeschoss, eine nicht zeitgemäße Ladenpassage, die fehlende Offenheit des Baus zur Fußgängerzone hin. Nur: Was zöge ein Abriss für Kosten nach sich, fragten andere. Neue Kulturhalle, je nach Standort eine neue Feuerwache, neue Räume für die Volkshochschule. „Das kann man heute doch gar nicht mehr finanzieren“, rief ein Bürger. Ein anderer sagte das gleiche – aber gemünzt auf die millionenschwere Sanierung. Und nach dieser Investition hätte man ein Gebäude, bei dem man seit Jahren sehe, dass es nicht mehr funktioniere. Starken Applaus erhielten beide. Aber wie hatte Oberbürgermeister Schneider schon eingangs gesagt: Die Diskussionen über den Mühlehof, gehen nach der Versammlung unvermindert weiter.