nach oben
Resistente Bakterien auf einer sogenannten Kulturplatte im Labor. Sie tummeln sich unbemerkt in Mensch und Tier, bei einer Immunschwäche können sie Infektionen auslösen.  PZ-Archiv
Resistente Bakterien auf einer sogenannten Kulturplatte im Labor. Sie tummeln sich unbemerkt in Mensch und Tier, bei einer Immunschwäche können sie Infektionen auslösen. PZ-Archiv
Vor etwa zwei Wochen lag der 82-jährige Patient, der an einer Infektion verursacht durch resistente Bakterien leidet, noch auf der Intensivstation des Mühlacker Krankenhauses. Oberarzt Ralph Brunner tauschte sich über einen Telecomputer mit Kolleginnen im Ludwigsburger Krankenhaus über die richtige Antibiotikatherapie aus.
Vor etwa zwei Wochen lag der 82-jährige Patient, der an einer Infektion verursacht durch resistente Bakterien leidet, noch auf der Intensivstation des Mühlacker Krankenhauses. Oberarzt Ralph Brunner tauschte sich über einen Telecomputer mit Kolleginnen im Ludwigsburger Krankenhaus über die richtige Antibiotikatherapie aus.
18.12.2016

Viele fürchten sich vor multiresistenten Keimen in Krankenhäusern - Auch Fälle in Mühlacker

Sie sind mikroskopisch klein, mit bloßem Auge gar nicht zu erkennen – gleichzeitig sind sie aber eine der größten Feinde der Menschheit: Multiresistente Bakterien, die schwere Infektionen auslösen können. Ihre stärkste Waffe ist ihre Resistenz gegen die gängigen Antibiotika, was eine Therapie oft erschwert.

Das erfuhr zuletzt auch ein 82-jähriger Patient des Mühlacker Krankenhauses, der wegen einer geplatzten Gallenblase notoperiert wurde. Noch während er auf der Intensivstation lag, erkrankte er an einer Infektion, die durch MRSA-Bakterien hervorgerufen wurde (PZ berichtete). Verschiedene Antibiotika wurden ausprobiert – offenbar erfolgreich, denn wie auf Nachhaken der PZ aus dem Krankenhaus zu hören ist, geht es dem Patienten schon deutlich besser. „Inzwischen wurde er wieder auf Normalstation in ein Einzelzimmer verlegt“, berichtet Alexander Tsongas, Pressesprecher der Regionalen Kliniken Holding, zu der auch das Krankenhaus in Mühlacker gehört.

Der Mann ist bei weitem kein Einzelfall: 2014 gab es am Standort in Mühlacker 26 Fälle, 2015 stieg die Zahl schließlich auf 42. Für dieses Jahr wurden 31 Fälle vermeldet. Das klingt zunächst alarmierend, doch laut Klinikleitung zeigen erhobene Daten, dass Mühlacker bei den Fallzahlen im unteren Drittel aller Krankenhäuser in Baden-Württemberg liegt.

Sich während eines Klinikaufenthalts die Bakterien einzufangen – ein Horrorszenario für viele Patienten. Doch was die meisten gar nicht wissen: Rund 30 Prozent der Bevölkerung tragen die MRSA-Bakterien bereits in sich. „Sie werden also nicht per se nur im Krankenhaus übertragen, sondern häufig mitgebracht“, erklärt Alexander Tsongas. „Bei gesunden Menschen hat dies keine Auswirkung.“ Aber bei Menschen mit schwachem Immunsystem, zum Beispiel ältere Patienten, oder mit einem durch eine Erkrankung geschwächten Immunsystem, können die MRSA-Bakterien eine Infektion hervorrufen.

Deshalb ist Hygiene sowohl zuhause als auch im Krankenhaus das A und O: „Konsequente Basishygiene und bei MRSA-Patienten erweiterte Schutzmaßnahmen wie Isolierung, persönliche Schutzausrüstung, Schlussdesinfektion und Aufnahmescreening“ sind laut den Experten der Holding die Maßnahmen, die in den Krankenhäusern Wirkung zeigen.

Innerhalb Deutschlands sinken die Zahlen der MRSA-Fälle in den vergangenen Jahren. Was jedoch zunimmt – und nicht weniger gefährlich ist – sind Erkrankungen ausgelöst durch VRE (Vancomycin-resistente Enterokokken). Sie zählen wie MRSA zu den nosokomialen Problemkeimen (Krankenhauskeime), können Infektionen auslösen und sind resistent gegen eine Vielzahl von Antibiotika.