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Ausflug Landwirtschaft © privat
22.10.2010

Weltreisender Maulbronner wird zum Aushilfscowboy

Uwe Schoppel ist mit dem Fahrrad in Australien unterwegs. Für die PZ erzählt der Weltreisende aus Maulbronn von seinem spontanen Ausflug in die Landwirtschaft.

Bildergalerie: Maulbronner reist durch Australien (Teil 5)

Mein Ziel war eine Farm, 500 Kilometer von Brisbane entfernt, deren Adresse mir ein Freund gegeben hatte. Weil mich das Farmleben interessiert, wollte ich den großen Umweg fernab meiner geplanten Route auf mich nehmen. „….an drei Briefkästen links vorbei, dann sechs Kilometer auf der Schotterstraße, dann noch mal ein Briefkasten rechts und der Straße drei Kilometer folgen…" so hatte ich es mir notiert und bewegte mich zwischen endlosen Feldern und Weiden vorwärts, um 30 Kilometer von der letzten Ortschaft entfernt die Farm zu erreichen. Jess und Charlie mit ihren drei Kindern empfingen mich herzlich und wollten kaum glauben, dass ich von Brisbane her mit dem Rad gekommen war.

Bildergalerie: Weltreisender aus Maulbronn tourt durch Australien (Teil 4)

Um das Leben hier kennen zu lernen, wollte ich bei der Farmarbeit mit anpacken. Gleich am nächsten Morgen ging es los: Statt auf Pferden trieben Charlie und ich auf Motorrädern einige seiner 200 Rinder auf eine zehn Kilometer entfernte Weide. Schnell hatte ich den Dreh raus und es machte Spaß, querfeldein vorbei an Emus und Kängurus die Jungrinder zu treiben. Auch 10 000 Schafe mit der begehrten Merinowolle gehören zur 12000 Hektar großen Farm. Da kommt es schon vor, dass einige beim Scheren übersehen werden und es war meine Lieblingsarbeit, diese zu fangen und auf den Pick Up zu verladen. Ich konnte auch mal versuchen, beim Schafscheren an die Geschicklichkeit und Schnelligkeit der professionellen Männer heran zu kommen, die bis zu 200 Tiere pro Tag scheren! Dann half ich mit, Zäune einzureißen und neue zu errichten oder alte Eisenbahnbahnschienen mit dem Schweißbrenner zu kürzen, um einen Hühnerstall zu bauen. Um die zwölf Arbeitshunde mit Fleisch zu versorgen, wurden einmal auf dem Weg zum Nachbarn kurzerhand drei Kängurus erschossen und ausgenommen. Die fünf- und siebenjährigen Töchter zeigten als richtige „Busch Kids" kein Mitleid, sondern wollten zusehen, wie man das australische Wappentier richtig zerlegt. Uwe Schoppel