nach oben
Symbolbild.
Symbolbild.
18.01.2019

Wenn "Django" nicht durchzieht: Darf ein Spieler eigentlich mit Absicht verschießen?

Mühlacker. Ein Neunmeterschießen spricht für Spannung, doch beim Alte-Herren-Stadtturnier hat es im Spiel um Platz drei wohl keinen so richtig interessiert.

Nachdem Cihangir "Django" Köksal von der Fußballvereinigung 08 nicht traf, gewann der gastgebende Lokalrivale Sportfreunde Mühlacker die Partie. Kurios: Danach erweckte Köksal im Gespräch mit der "Pforzheimer Zeitung" den Eindruck, dass er den Ball nicht ins Tor schießen, sondern dem Ganzen nach einem Zwischenstand von 8:8 ein Ende setzen wollte: "Das wäre noch bis morgen so weiter gegangen."

Hans-Peter Müller, Vorstandsmitglied des Doppelsiegers FV Lienzingen, reagierte ungläubig, als er durch die PZ von dieser Darstellung erfuhr. Ihm als früherem Schiedsrichter war der Spieler schon vor der entscheidenden Szene durch Anflüge von "Arroganz" aufgefallen: Wie so manchem Mann mit außergewöhnlichen Fähigkeiten am Ball setze Köksal zu sehr auf ungewöhnliche Aktionen. Der Neunmeter jedoch schien "Katsche" Müller verunglückt, nicht "extra schwach" geschossen, wie in der PZ zu lesen war. Er habe bei "alten Nullachtern" gestanden – und die seien allem Anschein nach auch nicht auf die Idee gekommen, dass der nach einer Western-Figur benannte Köksal bewusst nicht durchzog.

Generell ist die Frage, ob man mit einem absichtlichen Fehlschuss nicht alle Kameraden gegen sich aufbringt – selbst wenn es im Grunde um nichts geht. Sogar beim AH-Turnier hatten die Nullachter einen Trainer dabei: Hüsnu Gür, der das A-Liga-Team coacht, war einer der Spieler. Im Neunmeterschießen des Halbfinals gegen Lienzingen hatten übrigens Gür und Köksal verzogen.

Verdutzte Mitspieler

Was am Ende des Spiels um Platz drei passierte, ist aus Gürs Sicht kein Drama. Abgesprochen war aber auch nichts. "Danach haben sich bei uns schon einige blöd angeschaut", sagt Gür im Hinblick auf den Fehlschuss. Warum der Neunmeter nicht im Tor landete, bedürfe aber nicht mehr der Erörterung. Klar sei, dass er den Kameraden Getränke spendiere, und dass Köksal auf jeden Fall auch eine Kiste locker machen muss.

"Normalerweise zahlt jeder, der einen Elfmeter verschießt, eine Kiste Bier", sagte unabhängig davon Jan Blutbacher vom Lokalrivalen Sportfreunde. Als früherer Torhüter fiel ihm auf, dass im kleinen Finale beide Teams wahre Fußball-Senioren zwischen den Pfosten hatten. Die Schützen vom Punkt hätten daher leichtes Spiel gehabt: Tatsächlich hätte sich, wie von Köksal dargestellt, ein ewiges Hin und Her entwickeln können.

Wie Blutbacher schien auch den anderen Vertretern der lokalen Fußball-Szene, mit der die PZ sprach, grundsätzlich unvorstellbar, dass ein Kicker überhaupt nicht bestrebt ist, zu treffen. Vielleicht gerade deshalb lud die Episode um Köksal zu Gedankenspielen ein. So scherzte Frank Alber, Spielleiter des FC Viktoria Enzberg, wer eine schwangere Frau habe und sie noch ins Krankenhaus bringen müsse, könne womöglich auf die Idee kommen, für ein vorzeitiges Spielende zu sorgen. Generell weiß Alber, dass Fußballer auch gerne einmal tief in die Nacht feiern. Von daher dürften einige Minuten mehr auf dem Spielfeld eigentlich nicht das Problem sein.

Lienzingens erfahrenen Funktionär Müller verwundert das Verhalten von Profis, aber auch von Freizeitlickern zuweilen. Doch hofft er, dass sie ihre Rolle als Vorbild beispielsweise für Kinder nicht ganz vernachlässigen.

Als Mittdreißiger sollte Köksal eigentlich kühlen Kopf bewahren können – spätestens seit er beim TSV Wiernsheim (Kreisliga B 7 Enz/Murr) Spielertrainer war. Freilich verließ das Team während seiner Amtszeit aus Protest einmal vorzeitig das Feld ...

Wer Wolfgang Bossert kennt, kann sich leicht vorstellen, dass ihn ein lustlos-unsportliches Verhalten auf die Palme bringt und erst recht ein verschenkter Sieg seiner Nullachter gegen die Sportfreunde. Das kleine Finale am Samstag hat Bossert aber nicht gesehen: So wollte er die Sache nicht gleich bewerten, aber intern noch ansprechen. Köksal war für eine Nachfrage nicht erreichbar. So gebührt 08-Coach Gür in Sachen absichtlicher Neunmeter-Fehlschuss das Schlusswort: "Bei den Aktiven wäre das auf jeden Fall ein No-go."