nach oben
Die sperrige Rettungstreppe vor dem Wiernsheimer Kaffeemühlenmuseum kommt wieder weg und wird dann durch eine neue edle Treppe auf der Eingangsseite des Museums ersetzt, erklärt Bürgermeister Karlheinz Oehler. Foto: Prokoph
Die sperrige Rettungstreppe vor dem Wiernsheimer Kaffeemühlenmuseum kommt wieder weg und wird dann durch eine neue edle Treppe auf der Eingangsseite des Museums ersetzt, erklärt Bürgermeister Karlheinz Oehler. Foto: Prokoph
Am Haus Schmie bei Maulbronn fanden sich zeitweise gleich zwei Fluchtwege: das provisorische Gerüst und die neue Treppe. Foto: PZ-Archiv
Am Haus Schmie bei Maulbronn fanden sich zeitweise gleich zwei Fluchtwege: das provisorische Gerüst und die neue Treppe. Foto: PZ-Archiv
10.09.2018

Zeit, Nerven und viel Geld: Wie die strengen Brandschutz-Auflagen die Gemeinden beschäftigen

Wiernsheim/Maulbronn. Wer den Wiernsheimer Bürgermeister Karlheinz Oehler kennt, weiß, dass der 64-Jährige ein Ästhet und Kunstfreund ist. Davon zeugen viele Objekte, die er überall in seiner Plattengemeinde hat aufstellen lassen. Die derzeitige metallene Rettungstreppe am Wiernsheimer Kaffeemühlenmuseum gehört allerdings nicht gerade zu den Bauten, die sich Oehler in seiner Kommune wünscht.

Vor allem, weil sie eher durch eine gewisse klobige, sperrige Beschaffenheit auffällt, anstatt ästhetischen Grundsätzen zu genügen. „Wir mussten diese Treppe notgedrungen im Frühjahr installieren, weil es sonst keinen zweiten Rettungsweg im Kaffeemühlenmuseum gegeben hätte“, sagt Karlheinz Oehler.

Ohne sie hätten im Trauzimmer im zweiten Obergeschoss keine Eheschließungen mehr stattfinden können, weil die Auflagen des Brandschutzes nicht mehr erfüllt gewesen wären. Das sei bei der Besichtigung des Landratsamtes mit Kreisbrandmeister Christian Spielvogel herausgekommen, so Oehler. Deshalb musste damals eine schnelle Lösung mit der derzeitigen Außentreppe her.

Probleme wie in Wiernsheim kennen viele Kommunen. Die immer schärfer werdenden Regulierungen hinsichtlich des Brandschutzes zwingen Bürgermeister und Gemeinderäte andauernd, viel Geld in öffentliche Gebäude zu stecken, die andernfalls nicht mehr in der bisherigen Art und Weise genutzt werden könnten.

Das Problem: Die Umsetzung der Brandschutzrichtlinien kostet nicht nur Zeit und Nerven, sondern ebenfalls jede Menge Geld. Auch dies zeigt das Wiernsheimer Beispiel exemplarisch: Die neue Treppe kostete rund 40.000 Euro.

„Leider war es damals nicht möglich, Landratsamt, Landesdenkmalamt und sonstige Beteiligte für eine bessere Lösung zu gewinnen“, berichtet der Bürgermeister. Seinerzeit, im Vorfeld des Treppenanbaus, hatte der Wiernsheimer Rathauschef schon in einer Gemeinderatssitzung anklingen lassen, was er von dieser Maßnahme hält und unter anderem davon gesprochen, dass „durch so ein hässliches Ding“ ein dreihundert Jahre altes Gebäude zum Schandfleck gemacht werde.

Aus diesem Grund – und auch, um den Bürgern nun die Angelegenheit offenzulegen – habe er als Bürgermeister das massige derzeitige Metallmonument als zweiten Rettungsweg gekauft und anbringen lassen. „Das war aber nur eine Interimslösung, bis ich alle Beteiligten auf eine Lösung geeinigt habe“, so Oehler.

Nun hat der technische Ausschuss der Ratsmitglieder mittlerweile eine ansprechendere Lösung für den zweiten Rettungsweg im Kaffeemühlenmuseum abgesegnet und die Gemeinde hat zwischenzeitlich bereits einen Bauantrag für eine neue Rettungstreppe gestellt, die rund 120.000 Euro kosten soll.

Mehr lesen Sie am Dienstag in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.