nach oben
Tandem-Fallschirmsprünge gehörten zu den Attraktionen auf dem Mühlacker Flugplatzfest. Nun ist allerdings unklar, wie es mit dem Fest im kommenden Jahr weitergeht. Foto: PZ-Archiv
Tandem-Fallschirmsprünge gehörten zu den Attraktionen auf dem Mühlacker Flugplatzfest. Nun ist allerdings unklar, wie es mit dem Fest im kommenden Jahr weitergeht. Foto: PZ-Archiv
24.11.2016

Zukunft des Mühlacker Flugplatzfestes in der Schwebe

Im Januar soll die Entscheidung fallen: Wird es auch 2017 wieder ein Flugplatzfest beim Flugsportclub in Mühlacker geben? „Vermutlich nicht“, kündigt Vorsitzender Jürgen Klemm aber bereits an. Zumindest nicht in der Form, wie in den vergangenen Jahren. Denn die Luftfahrtbehörde im Regierungspräsidium Karlsruhe (RP) hat – als einzige in Baden-Württemberg – für Flugplatzfeste die Auflagen deutlich erhöht. Der so entstandene bürokratische Aufwand sei für die Ehrenamtlichen kaum noch zu stemmen, so Klemm.

„Hier scheint jemand das Prinzip des Ehrenamts wohl nicht richtig verstanden zu haben“, sagt FDP-Landtagsabgeordneter Erik Schweickert, der dem Verein beigesprungen ist und einen Antrag an das Stuttgarter Verkehrsministerium gestellt hat. „Da scheint die rechte Hand nicht zu wissen, was die linke macht“, ist sein Schluss aus der Antwort. So gibt das Ministerium an, dass die Regierungspräsidien die Möglichkeit haben, im Einzelfall eine beglaubigte Kopie des Luftfahrscheins zu verlangen. Nach Auskunft des Flugsportclubs werden diese in der Region jedoch vom RP Karlsruhe pauschal für alle Piloten eingefordert. Genauso verhalte es sich bei der Außenlandeerlaubnis für Motorflugzeuge auf Segelfluggeländen während Veranstaltungen. Laut Verkehrsminister Hermann „werden diese Außenlandeerlaubnisse überwiegend generell erteilt“. Die Karlsruher Beamten hingegen verwehren die Erlaubnis generell.

„Hier wird durch übertriebene Dokumentationspflichten versucht, die in vielen Orten traditionellen Veranstaltungen zu verhindern“, kommentiert Schweickert. Die Situation der ehrenamtlichen Organisatoren werde völlig außer Acht gelassen. Auch wenn der Enzkreisabgeordnete die Sicherheitsbedenken nachvollziehen kann, müsse hier ein für Ehrenamtliche leistbares und praktikables Verfahren geschaffen werden. „So muss es beispielsweise auch möglich sein, dass ein erkrankter Pilot kurzfristig ersetzt werden kann.“

„Nichts liegt uns mehr am Herzen, als sichere Veranstaltungen“, macht auch Jürgen Klemm, Vorsitzender des Mühlacker Flugsportclubs klar. „Wir sehen aber keinen Sicherheitsgewinn.“ Dafür gefährdet der immense bürokratische Aufwand die ganze Veranstaltung. „Das RP will für jedes Flugzeug eine Außenlandeerlaubnis. Das kostet Geld. Und es hat zur Folge, dass uns keine Flieger mehr besuchen“, nennt Klemm ein Beispiel. Rund 200 Stunden mehr habe der Verein in diesem Jahr wegen der ansteigenden Bürokratie in die Organisation des Festes im September stecken müssen, schätzt er. „Wir haben realisiert, dass wir das so nicht mehr leisten können.“ Und er habe bisher kein Signal bekommen, dass das RP seine Entscheidung überdenke.

Dem Ministerium gegenüber hat das RP Karlsruhe allerdings eine Untersuchung „seiner Verwaltungspraxis nach Ablauf der diesjährigen Saison“ angekündigt. Das geht aus dem Schreiben hervor, das Schweickert von Hermann erhalten hat. Der Landtagsabgeordnete will, dass die betroffenen Flugsportclubs in diese Prüfung mit einbezogen werden. „Die regionale Ungerechtigkeit infolge übertrieben restriktiver Anforderungen durch das Regierungspräsidium Karlsruhe im Vergleich zu den anderen drei Präsidien ist nicht tolerierbar“, sagt Schweickert und fordert vom Minister zeitnah die Evaluation des Regierungspräsidiums offenzulegen und die restriktive Auslegung der Verordnungen durch das RP Karlsruhe zu unterbinden.