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Über vier Jahrzehnte war Dieter Schweikert bei Münch in Mühlacker beschäftigt. Er kennt sich also aus mit Ring- und Schuppengeflechten, hier mit Marlis Lippik vom Stadtarchiv. Foto: Kollros
Über vier Jahrzehnte war Dieter Schweikert bei Münch in Mühlacker beschäftigt. Er kennt sich also aus mit Ring- und Schuppengeflechten, hier mit Marlis Lippik vom Stadtarchiv. Foto: Kollros
09.02.2018

Zwischen Schutzwesten und Mode-Accessoires

Mühlacker. Den Titel der aktuellen Ausstellung des Stadtarchivs „Ständig im W@ndel“ aufgreifend, verdeutlichte Dieter Schweikert, früher leitender Angestellter bei Friedrich Münch in Mühlacker, einer großen Zahl interessierter Zuhörer den Wandel des Portfolios an Produkten im Laufe von nahezu 100 Jahren. Bereits zum zweiten Mal füllte der Münch-Insider mit seinem Vortrag den Rathaussaal.

Von zierlichen Geldbörsen aus Schuppengeflecht über Schutzhandschuhe für grobschlächtiges Arbeiten im fleischverarbeitenden Gewerbe bis hin zu vorhangartiger Fassaden-Gestaltung, so lässt sich die Produktpalette beschreiben. Waren es anfangs Börsen und Handtäschchen, auf die sich der aus der Pforzheimer Schmuckindustrie kommende Friedrich Münch mit seiner „Geflechtstaschenfabrik“ bis lange nach dem Zweiten Weltkrieg spezialisierte, so erfuhr das Unternehmen Ende der 1960er einen neuen Aufschwung mit Schutzhandschuhen aus verschweißtem Edelstahl-Ringgeflecht.

Die weitere Entwicklung brachte Schutzwesten beziehungsweise Einlagen hierfür zur Serienreife, mit denen sich Einsatzkräfte von Polizei und Militär vor Schuss- und Stichangriffen schützen. Aus dieser Erfahrung heraus dürften dann eher als „Nebenprodukt“ Kettenhemden für Akteure bei mittelalterlichem Treiben das Programm bereichert haben. Selbst in die Haute Couture und das Segment Mode-Accessoires stiegen die von Münch gefertigten Rohmaterialien auf, etwa Kleider aus kleingliedrigem Geflecht aus Metallplättchen und mit Intarsien von Swarovski versehen, designt von Modeschöpfern wie zunächst Gianni Versace und später Paco Rabanne.

Für solche Erfolge arbeitet in den Waldäckern ein motiviertes Team von rund 100 Mitarbeitern. International ist Münch bis nach China und Australien vernetzt.

Schweikert berichtete, überwältigt zu sein, auf welch breites Interesse der von ihm gegebene Einblick in die Münch-Firmenentwicklung gestoßen sei.