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14 Tote gab es bei diesem Reisebusunglück. Schuld daran soll eine Autofahrerin sein, die sich jetzt vor Gericht verantworten muss. © dpa
04.05.2012

14 Tote bei Buscrash: Prozess gegen Autofahrerin

Ein Fahrfehler von ihr soll verantwortlich sein für den Unfall eines polnischen Reisebusses, bei dem 14 Menschen starben - erinnern kann sich die Autofahrerin jedoch nicht. Sie könne den Hergang nicht beschreiben, sagte die 38-Jährige zum Auftakt des Prozesses gegen sie vor dem Landgericht Potsdam am Freitag. Sie wolle aber dazu beitragen, die Ursache für den «grausamen Unfall» im September 2010 aufzuklären, sagte ihr Verteidiger Carsten C. Hoenig.

Die Angestellte des Berliner Polizeipräsidiums entschuldigte sich zunächst nicht persönlich bei den Unfallopfern und Hinterbliebenen. Sie muss sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten.

Sie sei mit einer Freundin unterwegs gewesen, schilderte die Angeklagte vor Gericht. «Was danach geschah, weiß ich nicht.» Ihre Erinnerung setze erst wieder ein, als sie im Krankenhaus aufwachte. Ihr Verteidiger betonte: «Sie hat den unbedingten Willen, sich der Verantwortung zu stellen.» Seine Mandantin, die bei dem Unfall verletzt wurde und seitdem arbeitsunfähig ist, hat sich einer Traumabehandlung unterzogen. Sie berichtete vor Gericht von Selbstmordgedanken.

Irritiert reagierten Unfallopfer, aber auch Medienvertreter aus Polen auf die Tatsache, dass die Angeklagte nach wie vor einen Führerschein besitzt und auch schon wieder Auto gefahren ist. «Das ist ein Versäumnis der Ordnungsbehörden», sagte Radoslaw Niecko, Anwalt des Busfahrers.

Dagegen erklärte Staatsanwalt Gerd Heininger, dass «allein die katastrophalen Folgen des Unfalls» nicht ausreichten, um die Fahrerlaubnis zu entziehen. Dies sei nur dann zwingend, wenn ein Autofahrer als ungeeignet für den Straßenverkehr gelten könne, also zum Beispiel betrunken gefahren sei (Paragraf 69 im Strafgesetzbuch).

Das Unglück passierte am 26. September 2010 auf der A 10 nahe Berlin, bei Schönefeld in Brandenburg. Laut Anklage beachtete die Frau Witterung und Straßenverhältnisse nicht ausreichend. Dadurch soll sie zu schnell gewesen sein und deshalb die Kontrolle über ihren Wagen verloren haben, als sie auf die Autobahn auffuhr.

Der Busfahrer (42) versuchte noch auszuweichen, knallte jedoch mit seinem Fahrzeug gegen einen Brückenpfeiler. 14 Businsassen starben, mehr als 30 wurden verletzt. In dem Bus saßen Mitarbeiter des Forstamtes im polnischen Zlocieniec (Falkenburg) sowie einige Angehörige von ihnen.

Zu den Nebenklägern im Prozess gehört Busfahrer Grzgorz Jarosz. Der 42-Jährige berichtete, er befinde sich auf dem Weg der Besserung. Derzeit dürfe er auf kürzeren Strecken testen, ob seine Sehkraft wieder ausreiche, um als Busfahrer arbeiten zu können.

Das Landgericht hat zunächst fünf Prozesstage geplant. Bereits am ersten Verhandlungstag sollten vier Zeugen gehört werden, darunter der Busfahrer. Ein Urteil könnte am 1. Juni gesprochen werden. dpa