nach oben
03.04.2008

Abiturienten ringen mit den Räubern

PFORZHEIM/ENZKREIS/MÜHLACKER/KREIS CALW. Ein Vergleich von Schillers „Die Räuber“ mit Kafkas „Der Prozess“ war gestern im Deutsch-Abitur das beliebteste Thema bei den Schülern. Die wenigsten nahmen eine literarische Erörterung.

Umfrage

Haben Sie Angst vor Prüfungen?

Ja 0%
Nein 0%
Stimmen gesamt 0

Die meisten Schüler gingen mit den zuvor im Unterricht gelesenen Pflichtlektüren auf „Nummer Sicher“. Im Neuenbürger Gymnasium haben 44 der insgesamt 81 Prüflinge den Vergleich Schiller-Kafka gewählt. 32 Schüler haben zwei Gedichte mit den Themen „Heimatverlust und Exil“ miteinander verglichen. „Da war für jeden etwas dabei“, bewertet Neuenbürgs Deutschlehrer Heinrich Lotz die diesjährigen Aufgaben. Im Trend liegen auch die Abiturienten am Enztal-Gymnasium in Bad Wildbad. 50 der 60 Gymnasiasten haben sich des „Prozesses“ und der „Räuber“ angenommen. Zehn Prüflinge haben sich mit der Frage „Wann ist ein Held ein Held?“ in einer Erörterung oder über eine Rede aus- einandergesetzt.

Analyse und Erörterung

Im Trend liegen auch die 130 Abiturienten am Mühlacker Theodor-Heuss-Gymnasium. Das beliebteste Thema, das mehr als die Hälfte der Schüler auswählte, war der Vergleich zwischen Schiller und Kafka. „Damit ist man auf der sicheren Seite“, meinte Deutschlehrer Harald Grieb.

In Pforzheim wählten 44 von 75 Abiturienten am Hilda-Gymnasium die Interpretation zur Pflichtlektüre, im „Theodor-Heuss“ waren es 47 von 84, im „Reuchlin“ 45 von 84, im „Hebel“ 54 von 67, im privaten „Schiller“ 32 von 52. Nur im „Kepler“-Gymnasium war eine Analyse und Erörterung über die Frage „Wann ist ein Held ein Held?“ mit 30 Teilnehmern am beliebtesten, gefolgt von 26 Abiturienten, die den Schiller-Vergleich wählten. An der Goetheschule (Freie Waldorfschule) bearbeiteten 19 von 27 Abiturienten die Pflichtlektüre und sechs den Gedichtvergleich „Ankunft in Israel“ von Jenny Aloni und „Rückkehr“ von Hilde Domin.

„Glück“ an beruflichen Gymnasien

Unterschiedlich sieht es an beruflichen Gymnasien in Pforzheim aus, wo am Technischen Gymnasium der Heinrich-Wieland-Schule ein Essay über „Glücksfähigkeit“ am beliebtesten war. Am Wirtschaftsgymnasium der Fritz-Erler-Schule kam dagegen die Pflichtlektüre (65) auf Platz eins, gefolgt von dem Essay über „Glück“ (39) und einer Textanalyse zum Thema „Arbeiten wie ein Kaiser – Was Väter von Pinguinen lernen können“ (34). 27 von 42 Schülern an der Johanna-Wittum-Schule, wählten die Pflichtlektüre.

Die Abiturienten des Lise-Meitner-Gymnasiums (LMG) in Königsbach, die sich in den vergangenen Jahren mit Effi Briest schon langweilten, stürzten sich auf Schillers „Räuber“. Immerhin 20 Prozent wählten das Lyrikthema und den Gedichtvergleich. Knapp 20 Prozent versuchten die Frage zu beantworten „Wann ist ein Held ein Held?“. Nur wenige nahmen den Kohlhaas von Kleist, niemand wollte sich an Kafka abarbeiten.

Die Hälfte aller Abiturienten nutzte die volle Zeit der Deutschprüfung und gab den Text nach fünfeinhalb Stunden ab.